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Swastika
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Eine Swastika (auch Svastika, Suastika, von Sanskrit m. à€žà„à€”à€žà„à€€à€żà€ svastika, deutsch âGlĂŒcksbringerâ) ist ein Kreuz mit vier etwa gleich langen, einheitlich abgewinkelten Armen. Sie können nach rechts oder links zeigen, recht-, spitz-, flachwinkelig oder rundgebogen und mit Kreisen, Linien, Spiralen, Punkten oder sonstigen Ornamenten verbunden sein.cite-ref-1[1] Solche Zeichen, das Ă€lteste von etwa 10.000 v. Chr., wurden in Asien und Europa, seltener auch in Afrika und Amerika gefunden.
Das Zeichen hat keine einheitliche Funktion und Bedeutung. Im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus wird die Swastika bis heute als religiöses GlĂŒckssymbol verwendet. Im Deutschen wird ein heraldisches Zeichen, das der Swastika Ă€hnelt, seit dem 18. Jahrhundert âHakenkreuzâ genannt.cite-ref-2[2]
Im 19. Jahrhundert entdeckten Ethnologen die Swastika in verschiedenen Kulturen des Altertums. Einige verklĂ€rten sie zum Zeichen einer angeblichen indogermanischen Rasse der âArierâ. Die deutsche völkische Bewegung deutete das Hakenkreuz antisemitisch und rassistisch. Im Anschluss daran machten die Nationalsozialisten ein nach rechts gewinkeltes und 45 Grad geneigtes Hakenkreuz 1920 zum Kennzeichen der NSDAP und 1935 zum zentralen Bestandteil der Flagge des Deutschen Reiches.
Weil das Hakenkreuz Ideologie, Gewaltherrschaft und Verbrechen des Nationalsozialismus reprĂ€sentiert, ist die politische Verwendung hakenkreuzförmiger Symbole seit 1945 in Deutschland, Ăsterreich und weiteren Staaten verboten. In Deutschland dĂŒrfen Hakenkreuze nach § 86 Absatz 4 StGB nur zur âstaatsbĂŒrgerlichen AufklĂ€rungâ, im Sinne der allgemeinen Kunstfreiheit und zu Ă€hnlichen Zwecken gezeigt werden.
Contents
âą Rechtslage
âą Bezeichnungen
âą Asien
âą Osteuropa
âą Mittelmeerraum
âą Afrika
âą Amerika
âą 19. Jahrhundert
âą 1900 bis 1945
âą Seit 1945
âą Hinduismus
âą Jainismus
âą Buddhismus
âą Andere
âą Heraldik
âą Turnerbewegung
âą Subkultur
âą Unicode
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Rechtslage
â
Hauptartikel
:
Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen
Am 30. August 1945 verbot der Alliierte Kontrollrat allen Deutschen, âirgendwelche militĂ€rische Rangabzeichen, Orden oder andere Abzeichen zu tragenâ. Das Verbot umfasste auch NS-Hakenkreuze. Es blieb bis 1955 in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in Kraft.cite-ref-3[3] Am 10. Oktober 1945 verbot der Kontrollrat die NSDAP, alle ihre Gliederungen und angeschlossenen VerbĂ€nde und deren Symbole. In den NĂŒrnberger Prozessen 1946 wurde die NSDAP mit allen Untergliederungen zur âverbrecherischen Organisationâ erklĂ€rt. Somit waren auch deren Symbole verboten.
In der Bundesrepublik Deutschland galten gemÀà Artikel 139 des Grundgesetzes zunĂ€chst sĂ€mtliche Gesetze der Alliierten zur âBefreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismusâ weiter. Sie wurden durch die Aufnahme der StraftatbestĂ€nde Friedensverrat, Hochverrat und GefĂ€hrdung des demokratischen Rechtsstaates (§ 80 bis § 92b) in das Strafgesetzbuch abgelöst. In diesem Rahmen bedroht § 86a StGB das âVerwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationenâ mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe. Strafbar sind danach sowohl das Verbreiten der genannten Kennzeichen als auch das öffentliche Verwenden sowie das Verwenden in einer Versammlung und das Verwenden in einem vom TĂ€ter verbreiteten Inhalt sowie bestimmte Vorbereitungshandlungen. Absatz 3 nimmt Darstellungen dieser Zeichen davon aus, die âder staatsbĂŒrgerlichen AufklĂ€rung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung ĂŒber VorgĂ€nge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder Ă€hnlichen Zweckenâ dienen.cite-ref-4[4]
Der Bundesgerichtshof (BGH) klĂ€rte die Reichweite von § 86a StGB in Musterprozessen. Seit 1973 umfasst das Verbot Hakenkreuze auf Kriegsspielzeug und originalgetreuen Modellen von Waffen der NS-Zeit. Erlaubt wurden spĂ€ter aber Hakenkreuze, die den Nationalsozialismus objektiv nicht befĂŒrworten:
âą in Kunstwerken, zum Beispiel politischen Karikaturen,cite-ref-5[5]
âą in Auktionskatalogen,cite-ref-6[6]
âą zur ReligionsausĂŒbung, etwa der Falun Gong in Deutschland,cite-ref-7[7]
âą anti-nazi-symbole als gegen Rechtsextremismus gerichtete Symbole antifaschistischer Gruppen. Damit hob der BGH 2007 vorherige Urteile gegen Verwender solcher Symbole auf.cite-ref-8[8]
Nach geltender Rechtsauffassung verbietet § 86a StGB auch von Neonazis verĂ€nderte Symbole, manche wie die Odalrune, Triskele und Schwarze Sonne jedoch nur als Logo verbotener Organisationen, nicht allgemein.cite-ref-9[9] Das private Entfernen rechtswidriger Hakenkreuze vom Eigentum Dritter, etwa durch Ăbermalen, Abkratzen oder Ăberkleben, gilt meist als SachbeschĂ€digung.cite-ref-10[10]
In Ăsterreich regelt das Verbotsgesetz 1947 den Umgang mit nationalsozialistischen Organisationen, Gedankengut und deren Symbolik und bestraft den Missbrauch.
Das EuropĂ€ische Parlament schlug auf deutsche Initiative 2005 ein europaweites Verbot der Swastika vor. Anlass war eine Fotografie des britischen Prinzen Harry in einer NS-Uniform mit Swastika-Armbinde, die er bei einer privaten KostĂŒmparty am 14. Januar 2005 getragen hatte.cite-ref-11[11] In GroĂbritannien demonstrierte das Hindu-Forum, das etwa 700.000 Hindus vertritt, gegen das Verbot.cite-ref-12[12] Im Januar 2007 zog Deutschland seinen VorstoĂ zurĂŒck.cite-ref-13[13] Die EuropĂ€ische Union lehnte das Verbot im April 2007 ab. Einen Verbotskonsens verhinderten vor allem GroĂbritannien und DĂ€nemark mit ihrer traditionell weiten Auffassung von Meinungsfreiheit sowie Litauen, das auch Symbole des Stalinismus verbieten wollte.cite-ref-14[14]
2013 hob Ungarns Verfassungsgericht ein seit 1993 bestehendes Verbot von Symbolen der âWillkĂŒrherrschaftâ (Roter Stern und Hakenkreuz) auf: Das Verbot sei gesetzlich neu zu regeln.cite-ref-15[15] Lettland dagegen verbot diese beiden Symbole.cite-ref-16[16]
In den USA plĂ€dieren namhafte Verfassungs- und Völkerrechtler dafĂŒr, Neonazis das Zeigen der Swastika generell zu verbieten, weil sie historisch singulĂ€r belastet sei, zum Völkermord aufrufe und fĂŒr die Vernichtung einer Gruppe werbe. Das sei keine schutzwĂŒrdige politische Rede, sondern Anstiftung zu Aufruhr und Störung der öffentlichen Ordnung.cite-ref-17[17]
Bezeichnungen
Der Ausdruck âSvastikaâ taucht erstmals in der Sanskritgrammatik des Inders Panini (um 400 v. Chr.) als Name eines Brandzeichens fĂŒr Vieh auf.cite-ref-18[18] Er besteht aus den Silben su (âgutâ) und asti (âes istâ, âes seiâ, vom Verb as- âseinâ). Die entsprechenden Silben auf Pali bilden zusammen ein Monogramm der Swastika.cite-ref-19[19] Das Substantiv bedeutet âdas (zum) Gutsein (gehörige)â, âdas Heilbringendeâ. Das Kompositum svastĂ- bedeutet schon im Ă€ltesten Sanskrit âGlĂŒckâ, âHeilâ, âSegenâ.cite-ref-20[20] Als Aussage wird es mit âAlles ist/sei gutâ ĂŒbersetzt. Das Substantiv ist im Sanskrit mĂ€nnlich (âder Swastikaâ).cite-ref-21[21] In deutschsprachiger Literatur wird es meist mit weiblichem, selten mit sĂ€chlichem Artikel bezeichnet. Der englische Plural lautet âSwastika(s)â, der deutsche âSwastikenâ.cite-ref-22[22]
In China heiĂt die Swastika wan, in Japan manji, in Tibet gyung-drung.cite-ref-beer98-23-0[23] Bei den nordamerikanischen Navaho steht sie fĂŒr das âwirbelnde Rundholzâ.cite-ref-24[24] Im Altnordischen hieĂ ein Ă€hnliches Zeichen sĂłlarhvĂ©l (âSonnenradâ).cite-ref-25[25] Im Altenglischen hieĂ ein Kreuz mit vier gleichgerichteten AuĂenhaken fylfot (âVierfuĂâ). Gemeint war ein Kreuz, das auf einem der Haken steht. Die Gleichsetzung der Swastika (drehend) mit dem Fylfot (stehend) und dem NS-Hakenkreuz (geneigt) gilt als Irrtum.cite-ref-26[26]
Die rechtwinklige Form wurde als Kombination aus vier griechischen Buchstaben Gamma aufgefasst und darum auf Lateinisch crux gammata, grĂ€zisiert Gammadion genannt. Der davon abgeleitete französische Ausdruck croix gammĂ©e bezeichnet auch das NS-Hakenkreuz,cite-ref-27[27] ebenso das Wort croix cramponnĂ©e.cite-ref-28[28] Das Gammadion wurde im Unterschied zur verwandten Form der Triskele auch Tetraskele (âVierbeinâ) genannt.cite-ref-29[29]
In der deutschsprachigen Wappenkunde (Heraldik) bezeichnete man ein Kreuz mit vier gleichgerichteten Haken als âHakenkreuzâ (so Johann Christoph Adelung in seinem Wörterbuch des Hochdeutschen ab 1796)cite-ref-30[30] oder als âWinkelmaĂkreuzâ (so Christian Samuel Theodor Bernd in Die HauptstĂŒcke der Wappenwissenschaft 1841).cite-ref-31[31] Die völkische Bewegung deutete das Zeichen als Sonnenrad und nannte es âHakenkreuzâ. Diese Bezeichnung ging in die Sprache des Nationalsozialismus ein.cite-ref-32[32] Im englischen und französischen Sprachraum wird auch das nationalsozialistische Hakenkreuz als âSwastikaâ bezeichnet. Diesen Ausdruck bevorzugt archĂ€ologische Fachliteratur fĂŒr historische Zeichen, um sie vom NS-Hakenkreuz abzugrenzen.cite-ref-33[33]
ArchÀologischer Befund
Asien
In Tell es-Sultan bei Jericho fand man einen vorkeramischen Stempel mit runder StempelflĂ€che, in den eine symmetrische Swastika eingraviert ist. Er wird auf 7000 v. Chr. datiert. Ăhnliche Swastikamotive fanden sich auf einem AnhĂ€nger vom Tappa Gaura im Irak (vor 4000 v. Chr.) und auf einem Siegel in Byblos (etwa 3500â3000 v. Chr.).cite-ref-34[34]
Auf Samarra-Ware (etwa 5000â3000 v. Chr.) aus dem heutigen Irak fand man Swastiken, einzeln oder als Teil einer ornamentalen Komposition, verbunden mit Pflanzen-, Tier- und Menschenbildern.cite-ref-35[35]
In der Indus-Kultur ist die Swastika seit etwa 3000 v. Chr. belegt. Die Ă€ltesten bekannten Beispiele sind Siegel oder Stempel, die 1924 bei den Dörfern Mohenjo-Daro und Harappa im heutigen Pakistan gefunden wurden. Sie zeigen rechts- und linksgewinkelte Swastiken.cite-ref-36[36] Somit war die Swastika schon etwa 1000 Jahre vor der Ausbreitung âarischâ sprechender StĂ€mme in Indien ĂŒblich.cite-ref-37[37]
In Belutschistan und in Susa fand man in den 1930er Jahren dekorative Swastiken auf TongefĂ€Ăen. Sie werden auf etwa 3000 v. Chr. datiert.cite-ref-38[38]
Osteuropa
Auf dem archĂ€ologischen Fundplatz Mesyn in der Ukraine wurden sechs aus Mammut-Elfenbein geschnitzte Venusfigurinen und mehrere ArmbĂ€nder gefunden, in die verschiedene Linien und geometrische Formen eingraviert sind. Sie werden auf etwa 10.000 v. Chr. datiert und dem osteuropĂ€ischen Epigravettien (JungpalĂ€olithikum) zugeordnet. Eine Figur darunter trĂ€gt ein aus parallelen MĂ€anderlinien geformtes Kreuzzeichen mit vier mehrfach rechtwinklig abgeknickten, eingerollten Armen. Dasselbe Motiv ist auf einem Armband eingraviert. Es ist das Ă€lteste bekannte Beispiel des Zeichens. Der Forscher Karl von den Steinen (PrĂ€historische Zeichen und Ornamente, 1896) deutete es als stilisiertes Abbild eines Vogels, besonders des Storchs, und somit als Symbol fĂŒr Fruchtbarkeit, Leben, FrĂŒhling und Licht.cite-ref-39[39]
Manche Keramikfragmente der neolithischen VinÄa-Kultur (Verbreitungsgebiet im heutigen Bulgarien, RumĂ€nien und Serbien) sind mit einer Swastika aus weiĂer Humusfarbe bemalt.cite-ref-40[40] Sie werden auf das 6. Jahrtausend v. Chr. datiert und als dekoratives Element aufgefasst, das Kraft und Bewegung der Sonne abbilden soll.cite-ref-41[41]
Mittelmeerraum
Die Minoische Kultur auf Kreta (ab etwa 2600 v. Chr.) hinterlieĂ Vasen, von denen manche mit einzelnen, links- oder rechtsgewinkelten Swastiken bemalt sind. Die griechische Vasenmalerei der geometrischen Periode setzte diese Ornamentik fort. Sie steht in der Entwicklung dem MĂ€andermuster nahe und sollte wohl natĂŒrliche Formen, etwa aus der Pflanzenwelt, abstrakt abbilden. In der zum Teil griechisch beeinflussten lokalen Kunst Apuliens (~700â400 v. Chr.) sind Swastiken hĂ€ufig. Seit der Regentschaft Alexanders (336â323 v. Chr.) erscheinen sie auch auf Soldatenhelmen.cite-ref-42[42]
Ab 1870 fand der deutsche ArchĂ€ologe Heinrich Schliemann auf dem HĂŒgel Hissarlik (Troja, TĂŒrkei) Swastiken auf AlltagsgegenstĂ€nden, etwa Keramik, Handspindeln und Terrakotta. Ihre Zuordnung und Datierung sind umstritten. Heute werden sie jĂŒngeren Grabungsschichten (VII bis IX, ab etwa 1300 v. Chr.) zugeordnet.cite-ref-43[43]
In der Villanovakultur (~1000 v. Chr.) fand man Graburnen mit geometrischen Mustern, darunter Swastiken mit mehrfach geknickten Enden und WellenbĂ€ndern. Die Etrusker (~900â260 v. Chr.) und die Falisker setzten die Nutzung der Symbole fort.
Im Römischen Reich findet sich die Swastika meist als eins von vielen variierten, wiederholten und komplex ineinander verschachtelten Formelementen der MĂ€ander-Ornamentik. Oft sind Swastikamuster Bestandteil von FuĂboden- und Wandmosaiken aus Tessera, von Fresken oder Stuck. Solche Mosaike entstanden seit der Epoche des Hellenismus (ab etwa 300 v. Chr.) im ganzen Römischen Reich, so auch in dessen Provinz Syrien-PalĂ€stina. Man fand sie dort etwa in einer Synagoge in En Gedi aus der HasmonĂ€er-Zeit,cite-ref-44[44] in einer Villa in Masada, einem Palast von Caesarea Maritima und einer Villa in der Oberstadt Jerusalems. Sie gehörten zur allgemeinen Prachtentfaltung und geometrischen Ăsthetik damaliger Architektur, nicht zu spezifischen Mustern in vom Judentum oder Christentum genutzten GebĂ€uden.cite-ref-45[45]
Römische Swastiken finden sich auch auf Fibeln (Spangen zum GewandschlieĂen), auf drei Kontorniaten, KleidungsstĂŒcken, einem Mithras-Denkmal und christlichen Grabinschriften. Sie werden als Dekoration und apotropĂ€isches (ĂŒbelabwehrendes) oder magisches Schutzzeichen gedeutet.cite-ref-46[46]
Mittel- und Nordeuropa
In einen Megalith-Felsen des Ilkley Moor (West Yorkshire, England), genannt Swastikastein, ist eine serpentinische, schlangenartige MĂ€anderlinie mit neun runden Vertiefungen eingraviert, die eine vierteilige Swastika-artige Figur umschlieĂt. Manche ordnen sie den spiralischen Cup-and-Ring-Markierungen der Stonehenge-Kultur in der Umgebung zu und datieren sie auf etwa 3300 v. Chr.,cite-ref-47[47] andere ordnen sie den Kelten zu und datieren sie in die SpĂ€tbronzezeit (â1300â800 v. Chr.). Man fand Ă€hnliche Muster auf skandinavischen MetallgefĂ€Ăen jener Zeit und auf GefĂ€Ăen der mykenischen Kultur.cite-ref-48[48]
Eine brettchengewebte Borte aus dem keltischen Grab von Hochdorf an der Enz aus der Hallstattzeit (â500â450 v. Chr.) trĂ€gt eine Reihe von Swastiken.cite-ref-49[49] Ob die TrĂ€ger der Hallstattkultur mit den Kelten gleichzusetzen sind, ist in der Forschung noch umstritten. Auf deren streng geometrische Formen folgte der kurvenreiche, verschlungene Stil der LatĂšnezeit (â450 v. Chr. bis zur Zeitenwende).cite-ref-50[50] Damit erklĂ€ren manche, dass Swastiken bei den Kelten sehr selten gefunden wurden. Sie werden wie das Radkreuz, das âKeltenkreuzâ, die Triskele und der Wotansknoten als Kraftzeichen mit magischem Bezug zum Totenkult gedeutet. Aus verschiedenen, oft farbenfrohen Darstellungen auf AlltagsgegenstĂ€nden, etwa Bekleidungsstoffen, wird gefolgert, dass die Swastika bei den Kelten keine spezifisch symbolische Bedeutung hatte.cite-ref-51[51]
In der Bronzezeit in Mittel- und Nordeuropa hatten Swastika-Ă€hnliche Zeichen vier in gleiche Richtung gebogene und spiralförmige Arme. Seit der Jungbronzezeit erscheinen sie als Ornament auf AlltagsgegenstĂ€nden, besonders Schmuck, sowie auf skandinavischen Felsbildern der Nordischen Bronzezeit. Diese Motive finden sich durchgehend von der SpĂ€tbronzezeit bis zum FrĂŒhmittelalter auf verschiedenen TrĂ€gerobjekten. Daraus folgern Forscher, dass sie allgemein eine Zierfunktion hatten, eventuell mit apotropĂ€ischer Bedeutung.
Die verschiedenen, als Germanen beschriebenen Gruppen verwendeten Swastiken als Stilelement in ihrer Alltagskultur von der römischen Kaiserzeit (RKZ) ĂŒber die Völkerwanderungszeit (VWZ) und das FrĂŒhmittelalter bis zur Wikingerzeit.cite-ref-52[52] Sie kommen in der RKZ als stilisiertes Motiv auf Urnen in BrandgrĂ€bern nördlich der Alpen vor, etwa als ZierbĂ€nder auf vereinzelten âSchalenurnenâ der Elbgermanen des 3. oder 4. Jahrhunderts,cite-ref-53[53] oder als Gravur auf Waffen wie dem âSpeerblatt von Dahmsdorfâ (gefunden 1865). Ăhnliche, zum Teil Ă€ltere SpeerblĂ€tter fand man bei Kowel (Ukraine), auf Gotland (Schweden), in Rozwadow (Polen), Ăvre Stabu (Norwegen) und Vimose (DĂ€nemark).cite-ref-54[54] Laut Rolf Hachmann sind diese Swastiken mit âTamgaâ (Siegeln, Stempeln) der Sarmaten (Iran) verwandt.cite-ref-55[55]
Auf Seeland (DĂ€nemark) (11), im ĂŒbrigen DĂ€nemark (3), in Norwegen (3), Finnland (2), SĂŒdschweden (1) und Mecklenburg (1) fand man gleichartige Swastikafibeln, genietet aus einer runden Bronzeplatte mit aus Silberblech gepressten Ornamenten darauf, vier gebogenen Armen und kleinen PlĂ€ttchen am Ende. In Ungarn gefundene Ă€hnliche Fibeln haben Tierköpfe am Ende der Arme. Sie werden gemeinsam auf Ă€ltere römische Fibeln zurĂŒckgefĂŒhrt und auf 250 bis 400 n. Chr. datiert.cite-ref-56[56]
Goldbrakteaten der VWZ aus Reichtumszentren im heutigen DĂ€nemark enthalten Swastiken neben anderen Symbolen und schriftartigen Zeichen in bestimmten âFormularfamilienâ, die der âIkonographische Katalogâ (IK) auflistet. So zeigt der B-Brakteat von GroĂfahner, Landkreis Gotha (IK 259) eine Figur, die ihre leeren HĂ€nde erhebt, ĂŒber denen eine Swastika und eine Triskele angebracht sind. IK 389 zeigt eine Swastika mit Triskele, Kreuz und weiteren Symbolen. In der jĂŒngeren RKZ und VWZ treten solche Swastiken zusammen mit Runen auf, besonders bei Fibeln und Brakteaten. Bei den modellgleichen Formularfamilien der B-Brakteaten von Nebenstedt (II), Darum (IV) (IK 129,1; 129,2), AllesĂž, Bolbro (I), Vedby (IK 13,1-3) findet sich eine Swastika als Einschub in das magische Runenwort laukaR (âLauchâ). In der linkslĂ€ufigen Inschrift von Nebenstedt und Darum erscheint eine Swastika als Zeichen mit unbestimmter Funktion.cite-ref-57[57] Solche Swastiken zwischen Runen wurden teils als besondere Schriftzeichen, teils als Symbole gedeutet, die eine magische Kraft der Runenaussage verstĂ€rken sollten.cite-ref-58[58]
In die Wikingerzeit gehört die Swastika auf dem Runenstein von Snoldelev in DÀnemark.cite-ref-59[59]
Unter den Grabbeigaben im Oseberg-Schiff (um 830) wurde 1904 ein kleiner KĂŒbel mit zwei Bronzegriffen gefunden. Beide zeigen eine identische menschliche Figur mit geschlossenen Augen im Lotussitz, die ein blau emailliertes Kreuz und vier rote Swastiken auf gelbem Grund auf der Brust trĂ€gt. Sie sind abwechselnd rechts- und linksgewinkelt und fĂŒllen die freien FlĂ€chen um das Kreuz zu einem Quadrat aus. Obwohl die Figur an eine meditierende Buddha-Figur erinnert, die Wikinger auf ihren Handelsrouten kennengelernt haben könnten, wird dieses Exemplar wegen sehr Ă€hnlicher Handgriffe von keltischen HĂ€ngegefĂ€Ăen eher als Beutegut aus Irland gedeutet.cite-ref-60[60]
Christian JĂŒrgensen Thomsen und Oscar Montelius deuteten Swastiken germanischer Kulturen ausgehend von Brakteaten 1855 als âZeichen Thorsâ. Funde Ă€hnlicher Zeichen namens ĂŸĂłrshamarr aus Island im 16. Jahrhundert legten eine Verwandtschaft mit dem Mjölnir (Thorshammer) nahe.cite-ref-61[61] Laut dem ArchĂ€ologen Bernhard Salin lassen sich diese Brakteaten jedoch wegen anderer Merkmale ebenso gut der Gottheit Odin zuweisen.cite-ref-62[62] Auch Karl Hauck verbindet die Swastiken auf Brakteaten mit Thor oder Odin.cite-ref-63[63] Der Sprachwissenschaftler Wolfgang Meid dagegen sieht keine linguistischen Hinweise auf eine religiös-kultische Verwendung des Symbols.
Im Mittelalter in Europa wurden römische und germanische Swastiken oft auf die Kreuzigung Jesu Christi oder seine Hoheit als âLicht der Weltâ bezogen. Sie erscheinen auf Fresken und Steinplatten von KirchengebĂ€uden, verbunden mit der MĂ€anderlinie, in der romanischen Ornamentik und einigen gotischen Bauwerken. Sie galten als âSchutzmittel gegen den Teufelâ.cite-ref-64[64]
Afrika
Swastika-Ornamente aus der ĂgĂ€is gelangten durch Handel in das Mittlere Pharaonenreich (2137 bis 1781 v. Chr.) und wurden seit 1000 v. Chr. besonders in Nubien beliebt.cite-ref-65[65] SĂŒdlich der Sahara wurden jedoch nur wenige Swastiken gefunden. Die deutschen Forscher Leo Frobenius und Felix von Luschan belegten sie 1898 als Gravur auf MĂŒnzen oder Gewichten der Aschanti in Ghana, als TĂ€towierung einer Frau in Barundi (Uganda) oder als Amulett. Sie bestritten die Herkunft dieser Ornamente aus dem Mittelmeerraum und nahmen eine davon unabhĂ€ngige Entstehung an.cite-ref-66[66]
Amerika
Einige indigene Völker Amerikas dekorieren GebrauchsgegenstĂ€nde seit langem auch mit Swastiken. Die Navajo woben sie in die Muster ihrer Decken, Jacken und Teppiche ein, mit denen sie handelten. Andere StĂ€mme ĂŒbernahmen diesen Brauch auch fĂŒr ihre Töpferei.cite-ref-69[69] Sie sahen die Swastika als Abbild der Rotation des Sternbilds GroĂer BĂ€r um den Polarstern und Sinnbild einer mythischen Vorgeschichte: Darin seien vier HĂ€uptlinge in jede Himmelsrichtung gesandt worden, um eine bessere Regierungsform als die eigene zu finden. FĂŒr die Hopi bildeten die Wander- und RĂŒckwege ihrer Vorfahren eine groĂe Swastika, die rechtsgerichtet der Bewegung der Erde, linksgerichtet der der Sonne entsprach.cite-ref-70[70]
Die Anasazi im SĂŒdwesten der heutigen USA zeichneten Bilder mit Swastiken in den Antilopenruinen. Sie gelten als Ă€lteste Beispiele in Nordamerika.cite-ref-kapoun68-71-0[71] Auch unter Felszeichnungen der Hohokam-Kultur im SĂŒden Arizonas (300â1500) fanden sich dutzende Swastiken, fĂŒr sich oder mit anderen Zeichnungen verbunden. Sie werden als Dekoration, nicht als religiöses Symbol gedeutet.cite-ref-72[72] Im Mississippi River Delta fand man auf Keramiken aus dem 13. Jahrhundert einheitlich stilisierte, stĂ€mmeĂŒbergreifende farbige Muster, darunter in Sonnenkreise integrierte Swastiken.cite-ref-73[73]
In einer der Pyramiden von TĂșcume der frĂŒhen SicĂĄn-Kultur aus der Lambayeque-Zeit in Peru (â750â1375) fand man einen Tonkrug mit einer mit Kohle gezeichneten Swastika.
Forschungsgeschichte
19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert nahm die Völkerkunde in Europa stark zu. Man entdeckte Swastiken in Indien, China, Japan, Kleinasien, Nordafrika und Amerika. Besonders Heinrich Schliemanns Funde und deren Deutung lösten eine Diskussion aus. 1872 verlangte der Antisemit Ămile Burnouf in einem Brief an ihn: Die Swastika solle als Zeichen der âarischen Rasseâ betrachtet werden, das die Juden vollstĂ€ndig abgelehnt hĂ€tten.cite-ref-74[74] In seinem ersten Forschungsbericht (Trojanische AltertĂŒmer, 1874) behauptete Schliemann, die Swastiken aus Troja seien mit einer Swastika von der Bischofsinsel bei Königswalde (Erzgebirge) der Form nach identisch. Er folgerte daraus eine germanische Herkunft des Zeichens.cite-ref-75[75] Obwohl er kein Antisemit war, behauptete er in seinem Buch Ilios (1881): Die von ihm entdeckten Swastiken bewiesen, dass die Ă€ltesten Bewohner Trojas zur âarischen Rasseâ gehört hĂ€tten. Sie seien als die âheiligsten Symbole unserer arischen VorvĂ€terâ von ungeheurer Wichtigkeit fĂŒr die ArchĂ€ologie. Dazu bildete er eine Göttinnenfigur aus Blei (nebenstehend) mit einer Swastika im Schamdreieck ab, obwohl diese auf dem Original fehlt. Damit schrieb er den trojanischen Swastiken eine religiöse und ethnische Bedeutung zu, obwohl die meisten sich auf alltĂ€glichen, nicht kultischen GegenstĂ€nden befanden.cite-ref-76[76] Die FĂ€lschung wurde 1902 aufgedeckt, als Schliemanns Sammlung in Berlin ausgestellt wurde.cite-ref-77[77]
Der Indologe Friedrich Max MĂŒller widersprach Schliemann 1881 in einem von diesem erbetenen Aufsatz zur Swastika: Gleiche Formen bewiesen eine gemeinsame ethnische Herkunft in der ArchĂ€ologie ebenso wenig wie gleiche KlĂ€nge eine gemeinsame sprachliche Herkunft in der Etymologie. Der britische Assyriologe Archibald Henry Sayce behauptete dennoch 1884 im Vorwort zu Schliemanns Werk Troja: âWirâ (die NordeuropĂ€er) könnten Trojas Bewohner und die Griechen zur Zeit Agamemnons als âBrĂŒder in Blut und Spracheâ begrĂŒĂen. Im Anhang behauptete der Journalist Karl Blind: Es sei nun klar bewiesen, dass die Trojaner zur âRasseâ der Thrakier gehörten und diese von Goten und somit von Germanen abstammten.cite-ref-78[78]
Einige Autoren versuchten, eine indogermanische (âarischeâ) Herkunft der Swastika mit eigenen Studien zu untermauern. So zeigte der polnische Bibliothekar Michael Zmigrodzki, ein Rassist und Antisemit, bei der Weltausstellung Paris 1889 Zeichnungen von 300 Objekten mit Gravuren, die er als Swastika oder angeblich davon stammendes Zeichen interpretierte und in Kategorien wie prĂ€historisch, pagan oder christlich einteilte. Zudem versuchte er, aus Schliemanns Funden einen angeblich ursprĂŒnglichen Idealtypus ohne ornamentale Details und Abweichungen herauszufiltern. Damit machte er dreidimensionale GegenstĂ€nde zu bloĂen TrĂ€gern einer angeblich einheitlichen, direkt erkennbaren, besonderen und wiederholten grafischen Form. Sein erklĂ€rtes Ziel war, mit der Swastika eine prĂ€historisch verankerte, kontinuierliche kulturelle Ăberlegenheit der âArierâ zu beweisen.
GemÀà der damaligen PopularitĂ€t solcher Theorien nahmen das Museum fĂŒr nationale AntiquitĂ€ten Frankreichs und das Museum fĂŒr FrĂŒhgeschichte in Saint Germain seine Sammlung auf. Im August 1889 machte Zmigrodski die Swastika unter anderem bei einem Kongress fĂŒr Anthropologie und prĂ€historische ArchĂ€ologie zum Thema. Die meisten Teilnehmer vertraten die Arierthese, darunter Schliemann (Deutschland), Ludwig MĂŒller (Kopenhagen), Burnouf, Sayce, Joseph DĂ©chelette und EugĂšne Count Goblet dâAlviella (Frankreich). Sie missachteten dabei den jeweiligen Eigenkontext der Funde sowie afrikanische und amerikanische Belege, die vor allem Thomas Wilson (USA) prĂ€sentierte. So wurden der Swastika Ă€hnelnde grafische Zeichen unterschiedlicher Kontexte zum isolierten, angeblich fĂŒr sich sprechenden Erkennungsmerkmal der angeblichen Arierrasse konstruiert.cite-ref-79[79]
Die vermutete Herkunft der Arier aus Indien und Swastikafunde bei âNichtariernâ widersprachen dem völkischen Rassenideal. Robert Philip Greg wollte die Swastika 1884 fĂŒr die angebliche arische Rasse reservieren. Er behauptete, weder griechisch-ornamentale noch germanisch-religiöse Formen kĂ€men bei Semiten vor.cite-ref-80[80] Karl Penka (Origines Ariacae, 1883; Die Herkunft der Arier, 1886) und Ernst Ludwig Krause (Tuisko-Land, der arischen StĂ€mme und Götter Urheimat, 1891) stellten Nordeuropa als ursprĂŒngliche Heimat hochgewachsener, hellhĂ€utiger, blauĂ€ugiger und kĂ€mpferischer Arier dar. Diese, so Penka, hĂ€tten asiatische Völker unterworfen und seien nach Indien eingewandert. Damit kehrte er die gĂ€ngige Einwanderungsthese um.cite-ref-81[81]
Thomas Wilson, Kurator fĂŒr prĂ€historische Anthropologie der Smithsonian Institution, verfasste 1894 in deren Auftrag einen Bericht ĂŒber den damaligen Forschungsstand zur Swastika. Darin belegte er ihre weite Verbreitung und wies die Annahme zurĂŒck, solche Zeichen unterschiedlicher Zeiten und Kontexte lieĂen sich auf eine gemeinsame Herkunft zurĂŒckfĂŒhren und als Symbol einer bestimmten Religion, Mythologie oder Ethnie deuten. Er nahm ihre Ausbreitung vom Industal aus an.cite-ref-82[82]
Die Deutung der Swastika als Symbol prĂ€historischer âArierâ drang seit Schliemanns Thesen dazu auch in die akademischen Diskurse der deutschen Altertumswissenschaft, Anthropologie, Kunstgeschichte und Volkskunde ein.cite-ref-83[83] Diese und andere Fachbereiche nahmen seit der Romantik ein âdeutsches Volkstumâ mit eigenem âNationalcharakterâ und eine ânordische Rasseâ an, die als âdie Germanenâ die Vor- und FrĂŒhgeschichte Europas bestimmt habe. EinflĂŒsse anderer Völker und Kulturen wurden dann oft als Degeneration beschrieben. Empirische Belege dafĂŒr wurden kaum geboten.cite-ref-84[84]
1900 bis 1945
Völkische, spĂ€ter auch nationalsozialistische Autoren knĂŒpften an die bereits etablierte Arierthese an und behaupteten weiter eine nordeuropĂ€ische Herkunft der Swastika und ihre Bedeutung als âHeilszeichenâ der Arier. Seit 1917 erschienen dazu viele propagandistische und pseudowissenschaftliche Schriften, darunter:cite-ref-85[85]
âą Ludwig Wilser: Das Hakenkreuz nach Ursprung, Vorkommen und Bedeutung (1917; viele Neuauflagen),
âą Otto Grabowski: Das Geheimnis des Hakenkreuzes und die Wiege des Indogermanentums (1921),
âą Karl Jaeger: Zur Geschichte und Symbolik des Hakenkreuzes (1921),
⹠Jörg Lechler: Vom Hakenkreuz. Die Geschichte eines Symbols (1921; 2. Auflage 1934); Sinn und Weg des Hakenkreuzes (1935),
âą Gustaf Kossinna: Ursprung und Verbreitung der Germanen in vor- und frĂŒhgeschichtlicher Zeit (1926),
âą Erwin Richter: Das Hakenkreuz als FĂŒhrer zu altgermanischer Kultur: Ein Beitrag zur germanischen Wiederentdeckung (1931),
âą Herman Wirth: Was heiĂt deutsch? Ein urgeistesgeschichtlicher RĂŒckblick zur Selbstbesinnung und Selbstbestimmung (1931; 1934); Vom Ursprung und Sinn des Hakenkreuzes (1933),
âą D. Bernardi: Das Hakenkreuz (7. Auflage 1933),
âą Wilhelm Scheuermann: Woher kommt das Hakenkreuz? (Berlin 1933),
âą Engelbert Huber: Das ist Nationalsozialismus: Organisation und Weltanschauung der NSDAP: mit zwei Tafeln Abbildungen der Abzeichen (1933),
âą Theobald Bieder: Das Hakenkreuz (2. Auflage 1934),
âą Eugen Fehrle: Das Hakenkreuz: von seinem Sinn und seiner Geschichte (1935),
âą Friedrich Langewiesche: Sinnbilder germanischen Glaubens im Wittekindland (1935),
âą Karl Theodor Weigel: Runen und Sinnbilder (1935),
âą Walter Heinzel: 5000 Jahre Hakenkreuz. Vom altnordischen Sonnezeichen zum Symbol des ewigen Deutschlands (1941).
Ludwig Wilser war seit 1885 mit unwissenschaftlichen Thesen zu Runen hervorgetreten und hatte eine âUrschriftâ germanischen Ursprungs behauptet.cite-ref-86[86] Als selbsternannter âRassenforscherâ popularisierte er die These, die Swastika sei eine germanische Rune. Wilhelm Scheuermann beschrieb diese als Fruchtbarkeitssymbol, wobei er sich auf die Bleifigur aus Troja mit gefĂ€lschtem Swastikazeichen berief, und als militĂ€risches Wappen nordeuropĂ€ischer Arier, die Troja in frĂŒhgeschichtlicher Zeit erobert hĂ€tten.cite-ref-87[87] Engelbert Huber dagegen rĂ€umte offen fehlende historische Belege fĂŒr die antisemitische Deutung des Hakenkreuzes ein. Erst die Völkische Bewegung habe es fĂŒr ihre Ziele so gedeutet und dabei vorausgesetzt, dass es aus Indien stamme. Das sei inzwischen widerlegt. Seine ursprĂŒngliche Bedeutung sei unbekannt, jedoch werde einhellig ein Zusammenhang mit dem Sonnenkult angenommen.cite-ref-88[88] Autoren, die von einer âgermanischen KontinuitĂ€tâ vom Altertum bis zu ihrer Gegenwart ĂŒberzeugt waren, fĂŒhrten dazu nur wenige Belege an, darunter die Swastika, deren germanische Herkunft sie voraussetzten.cite-ref-89[89]
Die weitgehend spekulative âSinnbildforschungâ, die um 1900 entstand, war Teil der Völkischen Bewegung. Ab 1933 förderte das NS-Regime sie stark, um die Massenwirkung der NS-Propaganda durch RĂŒckgriff auf altgermanische Symbolik zu verstĂ€rken und das eigene Parteiabzeichen zum Symbol der völkischen Einheit und Ganzheit und zum quasi-religiösen Kultobjekt zu machen. Die Deutung der Swastika als kontinuierliches germanisches Sonnensymbol gab diesem Streben eine pseudowissenschaftliche Legitimation.cite-ref-90[90]
Einige âSinnbildforscherâ vertraten konkurrierende Theorien und wetteiferten ab 1933 um die politische Anerkennung ihrer Position. So erklĂ€rte Karl Theodor Weigel, die Bedeutung der Runen könne erst geklĂ€rt werden, wenn Herkunft und Abstammung der Rasse geklĂ€rt seien, aus deren âBlut und Bodenâ sie zweifellos stammten. Eugen Fehrle dagegen behauptete, das Hakenkreuz sei das âarische fĂŒhrende Fossilâ unter den vielen Sonnensymbolen und verkörpere das ewige âStirb und Werdeâ. Es sei âwie ein Stern, der uns den Weg weistâ. Die germanischen Symbole seien nie nur dekorativ, spielerisch und zweckmĂ€Ăig, sondern drĂŒckten immer âEinheit mit den ewigen MĂ€chten des Lebensâ aus. Das NS-Regime förderte diese Konkurrenz gezielt durch verschiedene Institute, da alle Varianten der KontinuitĂ€tsthese den eigenen machtpolitischen Absichten entgegenkamen. Der âReichsfĂŒhrer SSâ Heinrich Himmler erklĂ€rte: Es sei ihm gleich, welche Theorie ĂŒber die Vorgeschichte der Germanen wahr sei. Da Forscherhypothesen stĂ€ndig wechselten, könne die NSDAP auch eine These aufstellen, die der Forschung widerspreche. Wichtig sei nur, dass die Forscher den Stolz des deutschen Volkes stĂ€rkten; dazu wĂŒrden sie bezahlt.cite-ref-91[91]
Dazu richtete Himmler 1935 die âForschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbeâ ein, als deren MitgrĂŒnder er den PseudoarchĂ€ologen Herman Wirth berief. Dieser hatte die Swastika seit 1931 zum Merkmal einer matriarchalischen Erlösungsreligion erklĂ€rt, die auf Atlantis geherrscht und etwa in MegalithgrĂ€bern und skandinavischen Felsbildern Spuren hinterlassen habe. Mit ausgedehnten Projekten, etwa zu den Felsritzungen von Tanum, versuchte er diese Fiktion zu untermauern, fand aber selbst bei anderen Nationalsozialisten kaum Anerkennung.cite-ref-92[92] Wirth gab die Swastika auch als Beleg fĂŒr eine Abstammung der Hopi, mexikanischer und peruanischer Indios von der angeblichen nordisch-atlantischen Herrenrasse aus.cite-ref-93[93] Himmler unterstellte die Deutsche Tibet-Expedition Ernst SchĂ€fers von 1938 dem âAhnenerbeâ, um prĂ€historische Studien zu treiben, Rassenvergleiche anzustellen und die Tibeter eventuell als VerbĂŒndete gegen GroĂbritannien zu gewinnen.cite-ref-94[94] Dahinter stand die Annahme, die tibetische Swastika weise auf Nachkommen angeblicher Arier in Tibet hin.cite-ref-95[95]
Die Nationalsozialisten benutzten archĂ€ologische Funde in Polen, um ihre GebietsansprĂŒche und âGermanisierungâ zu legitimieren. Der sĂ€chsische ArchĂ€ologe Walter Frenzel benutzte eine Swastika im Museum von ĆĂłdĆș fĂŒr ein neues Wappen der in âLitzmannstadtâ umbenannten Stadt.cite-ref-96[96]
Nur wenige Forscher der NS-Zeit widersprachen der rassistischen Deutung der Swastika. Der britische ArchĂ€ologe William Norman Brown verwies dazu auf Funde in Harappa (The Swastika: A Study of the Nazi Claims of Its Aryan Origins, 1933).cite-ref-97[97] Der Linguist und Religionswissenschaftler Jan de Vries, ein Mitarbeiter des âAhnenerbesâ, bezweifelte in der ersten Auflage seiner âAltgermanischen Religionsgeschichteâ (1935â1937) die These einer KontinuitĂ€t und nordischen Heimat der Germanen. Germanische Swastiken der Bronzezeit hĂ€tten sich zufĂ€llig aus der Spiralornamentik entwickelt. Swastiken der Eisenzeit seien aus Asien ĂŒber SĂŒdosteuropa nach Mitteleuropa gelangt. Nationalsozialistische Rezensenten kritisierten dies.cite-ref-98[98] Der Volkskundler Otto Lauffer bezeichnete den NS-âSinnbildforscherâ Langewiesch 1937 in einer Fachzeitschrift ironisch als âDeutobold Symbolizetti Allegorowitsch Mystifizynskiâ. Ohne rationale PrĂŒfung ihrer Thesen mache sich die deutsche Symbolforschung international lĂ€cherlich.cite-ref-99[99]
Der Psychoanalytiker Wilhelm Reich erklĂ€rte 1930, die Swastika habe ursprĂŒnglich den Geschlechtsverkehr zweier Menschen, spĂ€ter die menschliche Arbeitskraft symbolisiert, die ihrerseits nur eine Form von SexualitĂ€t sei. Weil die Swastika an unbewusste Triebe appelliere, sei sie ein massenwirksames Hilfsmittel des Faschismus geworden. Er berief sich dazu auf Herta Heinrich (Hakenkreuz, Vierklee, Granatapfel, Zeitschrift fĂŒr Sexualwissenschaft, 1930), Percy Gardner (Ares as Sun-God, 1880), John Loewenthal und andere.cite-ref-100[100] Dabei setzte er ebenfalls ahistorisch eine einheitliche, originale, versteckte Bedeutung verschiedener Swastika-Abbilder voraus.cite-ref-101[101] Der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung sah 1936 die Swastika und den römischen LiktorenbĂŒndel als Archetypen, die ein kollektives Unbewusstes ausdrĂŒcken. Ihre Verwendung im Faschismus sah er als Wiederbelebung von gefĂ€hrlichen TriebkrĂ€ften, die schon die mittelalterlichen Judenpogrome bewirkt hĂ€tten.cite-ref-102[102]
Seit 1945
Ab 1945 trat die volkskundliche Symbolforschung zurĂŒck. JĂŒngere Volkskundler und Philologen wie Fritz Paul verwarfen sie als nicht fortsetzbar und kritisierten ihre Methodik scharf: Sie habe Funde ganz unterschiedlicher Zeiten und Völker âdurch oft zĂŒgelloses Analogisieren in ein willkĂŒrliches, allegorisches oder symbolisches SinngefĂŒgeâ gebracht. Germanisten wiesen die These einer âgermanischen KontinuitĂ€tâ, fĂŒr die auch die Swastika angefĂŒhrt worden war, als sachfremd zurĂŒck. Hermann Bausinger, Wolfgang BrĂŒckner, Hans Moser und andere zeigten, dass Ă€uĂerlich identisch geformte Zeichen und Objekte nur in ihrem Eigenkontext richtig zu deuten sind und historische KontinuitĂ€t nur bei gleichen Aktoren, gleichem Kulturraum, gleicher Funktion und Bedeutung anzunehmen ist. Daher hielt Rolf Wilhelm Brednich die Ă€ltere Forschung zur Swastika fĂŒr groĂenteils unwissenschaftlich: Sie habe den Eindruck einer breit belegten germanischen KontinuitĂ€t nur dadurch erreicht, dass sich völkische Wissenschaftler laufend gegenseitig zitiert hĂ€tten und vom NS-Regime gefördert worden seien. Gleichwohl behaupten populĂ€rwissenschaftliche Autoren oft weiter, die Swastika sei ein prĂ€historisches kultisches Symbol der (Indo-)Germanen und besitze archetypische Kraft.cite-ref-103[103]
Einige der am âAhnenerbeâ beteiligten Forscher blieben nach 1945 fachlich anerkannt, so Jan de Vries. Er beschrieb die Swastika (die er âHakenkreuzâ nannte) 1957 als Teil âfremdartigerâ KultureinflĂŒsse auf die Germanen. Sie habe sich seit 2500 v. Chr. von der Induskultur nach Kreta, Griechenland und Italien verbreitet und sei dabei zu einem rein dekorativen Muster âherabgesunkenâ. Weil sie bei âsemitischen Völkernâ ganz fehle, sei sie wahrscheinlich auf indogermanische Kultur zurĂŒckzufĂŒhren. Die Germanen könnten sie in der Jungsteinzeit aus Thrakien und Mazedonien erhalten haben. In der MĂ€anderornamentik (1./2. Jh.) und als spiralige Form auf Töpfen und HĂ€ngegefĂ€Ăen der spĂ€ten Bronzezeit sei sie wohl ein âreines Schmuckmotivâ gewesen. Erst in der Eisenzeit habe sich die rechtwinklige Form durchgesetzt, erst ab dem 4. Jahrhundert komme sie auf einer Urne als Sinnbild vor. Sie sei eine Variante des zuvor ĂŒblichen Sonnenrades, spĂ€ter auch ein magisches GlĂŒckszeichen und ein religiöses Symbol, oft mit dem Gott Thor verbunden.cite-ref-104[104]
Horst Junginger kritisierte, de Vries habe in seinem Artikel âHakenkreuzâ fĂŒr die protestantische EnzyklopĂ€die Religion in Geschichte und Gegenwart (3. Auflage 1959) dessen Gebrauch in der NS-Zeit nicht erwĂ€hnt.cite-ref-105[105]
Laut Morten Hegewisch vermieden Volkskundler wie Ernst Grohne oder ArchĂ€ologen wie Rolf Hachmann nach 1945, neuere germanische Swastikafunde ĂŒberhaupt zu deuten. Dies habe dazu beigetragen, sie weiter ungeprĂŒft als Sonnensymbole einzustufen. So verwies das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (2005) bei den Stichworten âHakenkreuzâ und âSwastikaâ auf âSonnensymbolâ. Der Autor Andreas Nordberg stellt die uneinheitliche Bedeutung und mögliche rein dekorative Funktion europĂ€ischer Swastiken dar, wobei die Swastika als Sonnensymbol die rollende Sonne abgebildet haben könne.cite-ref-106[106] Hegewisch zufolge zeigt der Befund, dass die germanischen Formen die römischen Hakenkreuzfibeln infolge der Romanisierung nachahmten und beide keine erkennbare kultische Bedeutung hatten. Kelten, Römer und Germanen hĂ€tten andere Muster viel hĂ€ufiger als die Swastika und auch diese oft nur dekorativ verwendet. BezĂŒge zu einzelnen Gottheiten lieĂen sich allenfalls bei Einzelfunden vermuten, aber nicht ohne weitere analoge Belege verallgemeinern.cite-ref-107[107]
Religiöser Gebrauch
Hinduismus
Im Hinduismus ist die Swastika das wichtigste Symbol nach dem Om. Nach der Lehre (Dharma) der Veden wird die Figur als abstraktes Abbild von vier Radspeichen, deren Haken Rotation nahelegen, oder von zwei quer ĂŒbereinander gelegten Stöcken zum zeremoniellen FeueranzĂŒnden (Yajna) aufgefasst. Oft ist sie mit vier Punkten, je einem in jedem Winkel, verbunden. Sie symbolisiert den ewigen Kreislauf von Geburt und Tod (Samsara) und gilt als Zeichen der Reinkarnation. Sie wird darum zu Beginn fast aller religiösen Feiern verwendet.cite-ref-108[108] Sie symbolisiert allgemein die Kraft und rotierende VorwĂ€rtsbewegung der Sonne und bedeutet Freude, Licht und Leben. Sie markiert in den Veden den Sonnengott Surya, in den Puranas das Chakra des Gottes Vishnu und einen der acht Yoga-Sitze. Sie wird auch als Zeichen des Gottes Ganesha verehrt. Die rechtsgewinkelte Form gilt als glĂŒckverheiĂend und wird bei Hochzeiten, Festen fĂŒr die GlĂŒcksgöttin Lakshmi und anderen Freudenfesten verwendet.cite-ref-109[109] Die seltenere linksgewinkelte Form heiĂt auf Sanskrit Sauvastika, wird dem weiblichen Aspekt der Gottheit zugeordnet und dreht sich nach indischer Auffassung gegen den Uhrzeigersinn.cite-ref-110[110] Manchmal wird dieser Form negative Wirkung zugeschrieben: Sie sei Symbol der Göttin Kali und stehe fĂŒr Sonnenuntergang, Niedergang des Lebens, Nacht, Unheil und Tod.cite-ref-111[111]
Jainismus
Im Jainismus, der sich auf Mahavira (5. Jahrhundert v. Chr.) zurĂŒckfĂŒhrt, spielt die Swastika eine zentrale Rolle. Sie reprĂ€sentiert wie im Hinduismus Samsara, hier zudem die vier Stufen der Existenz: Götter, Menschen, Tiere und Unterwelt.cite-ref-folklore87-112-0[112] Sie ist das Symbol des siebten von 24 âFurtbereiternâ (Tirthankara).cite-ref-113[113] Die vier Arme stehen auch fĂŒr die vier Gruppen der Jains (Mönche, Nonnen, mĂ€nnliche und weibliche Laien) und die vier unendlichen Merkmale der Seele (Wissen, Wahrnehmung, GlĂŒck, Energie). Das seit 1974 von allen Jains akzeptierte Symbol des Jainismus fasst dessen Lehren zusammen.cite-ref-114[114]
Buddhismus
Schon die vorbuddhistische Bön-Religion kannte die Swastika. Der Berg Kailash, dessen Umrundung man erlösende Kraft zusprach, hieĂ dort auch âSwastika-Bergâ.cite-ref-115[115] In der Mongolei erscheint die linksgewinkelte Form als Gravur in Felszeichnungen und Hirschsteinen seit 200 v. Chr. oft.cite-ref-116[116]
Im Buddhismus in Tibet symbolisiert die linksgewinkelte Swastika Festigkeit, Ausdauer und BestĂ€ndigkeit.cite-ref-117[117] In China heiĂt sie wan und gilt als AnhĂ€ufung von GlĂŒckszeichen mit zehntausend Wirkungen. In der chinesischen Ikonographie symbolisiert sie FĂŒlle, Ăberfluss, Wohlstand und langes Leben. Als chinesisches Schriftzeichen steht sie (chinesisch ć, ć, Pinyin wĂ n) fĂŒr die Myriade (10.000) bzw. die Unendlichkeit. Sie wird oft mit dem Zeichen fu fĂŒr Fledermaus kombiniert und bedeutet dann âzehntausendfaches GlĂŒckâ.cite-ref-118[118] Kaiserin Wu Zetian (625â705) erklĂ€rte eine Swastika in einem Kreis zum Zeichen fĂŒr âSonneâ.cite-ref-119[119]
Im Buddhismus in China symbolisiert sie das Siegel des Herzens Buddhas oder die Buddha-Natur. Sie erscheint in der Song-Dynastie (960â1276) auch auf Brust, Handteller oder Fersen von Buddha-Statuen, nicht wie in Indien nur auf der Stirn. Vermutet wird dabei ein Einfluss des Nestorianismus in China, dessen AnhĂ€nger christliche Kreuze auf Stirn und Brust trugen. In nestorianischen Kunstwerken symbolisiert die Swastika die sich drehende Sonne, das Feuer oder das Licht.cite-ref-120[120] Eine Swastika verziert die Dachgiebel vieler historischer GebĂ€ude, besonders buddhistische Tempel. Auf Landkarten zeigt sie deren Lage.
In Japan ist die linksgewinkelte Swastika auf Brust, FĂŒĂen oder HĂ€nden von Buddhastatuen und an Buddhatempeln oft zu sehen. Auf Landkarten und StadtplĂ€nen markiert sie deren Standort.cite-ref-121[121] Sie wird als Weitergabe der Buddha-Natur gedeutet. Das japanische Schriftzeichen fĂŒr sie heiĂt manji (japanisch ć, ursprĂŒnglich ćć oder äžć, dt. â10.000er-Zeichenâ). Es wird meist nach links gewinkelt dargestellt. Die nach rechts gewinkelte Form heiĂt gyaku manji (éć, âumgedrehtes Manjiâ) oder migi manji (ćłć, âRechts-Manjiâ). Solche Zeichen werden auch fĂŒr regelmĂ€Ăige Muster verwendet, die manjimon (äžćæ). Darunter sind das manjitsunagi (äžćçč), das mehrere Swastiken gleicher Richtung waagerecht oder gekippt miteinander verbindet,cite-ref-122[122] oder das sayagata (çŽç¶Ÿćœą) auf Stoffen aus der Edo-Zeit: Es verbindet die Enden von linken und rechten Swastiken mit Linien.cite-ref-123[123]
In allen vom Theravada-Buddhismus geprĂ€gten asiatischen Staaten (Burma, Kambodscha, Laos, Sri Lanka, Thailand) markiert die Swastika Buddhas âFuĂspurenâ.cite-ref-folklore87-112-1[112] In manchen dieser Staaten ist eine linksgerichtete Swastika auf Verpackungen aufgedruckt, um die streng vegetarische Herstellung der Lebensmittel darin anzuzeigen.cite-ref-124[124]
Andere
Das Symbol der Falun Gong aus China wird srivatsa genannt und zeigt eine linksgerichtete goldene Swastika, umgeben von je vier weiteren Swastiken und Symbolen des Yin und Yang in einem kreisförmigen Ring. Die Vertreter betonen seine positive Bedeutung in Ăbereinstimmung mit indischer und chinesischer Tradition und grenzen es vom nationalsozialistischen Hakenkreuz ab.cite-ref-125[125]
Vertreter der synkretistischen Religion Daoyuan (gegrĂŒndet 1921) grĂŒndeten 1922 die Gesellschaft Rote Swastika, um den Weltfrieden zu fördern und akute Katastrophenhilfe zu leisten. Sie wuchs bis 1937 zu einer mit dem Roten Kreuz vergleichbaren internationalen Hilfsorganisation, die besonders nach dem Massaker von Nanjing half.cite-ref-126[126]
Der 1973 gegrĂŒndete Raelismus verwendet das Symbol einer Swastika in einem Davidstern. Der GrĂŒnder Claude Vorilhon will es auf einem UFO von AuĂerirdischen gesehen haben. Seine AnhĂ€nger tragen es als Medaillon. Nach Protesten von Juden Ă€nderte Vorilhon das Symbol zur Form einer BlĂŒte ab.cite-ref-128[128] Gleichwohl treten die Raelianer fĂŒr eine weltweite Akzeptanz der Swastika ein, die sie als Zeichen einer von AuĂerirdischen gestifteten humanen Intelligenz deuten. Jedoch fĂŒhrten Demonstrationen mit Swastikafahnen in einigen FĂ€llen zu Festnahmen. 2009 erklĂ€rte der GrĂŒnder den 23. Juni daher zum jĂ€hrlichen âSwastika-Rehabilitations-Tagâ.cite-ref-129[129]
Nichtreligiöser Gebrauch
Heraldik
Seit der FrĂŒhen Neuzeit machten FĂŒrsten, StĂ€dte und Adelsfamilien Europas vielfĂ€ltige Kreuzesformen zum Bestandteil ihrer Wappen, darunter auch einige der Swastika Ă€hnliche Formen. Wappen mit dem fylfot von der britischen Insel wurden in der Heraldik des 19. Jahrhunderts normiert.cite-ref-130[130]
Das mittelalterliche Wappen der Patrizierfamilie Raven enthielt ein Hakenkreuz. Das Ehepaar Heinrich Becker und Dorothee Raven stifteten es der Marktkirche St. Jacobi (Einbeck) im Januar 1640 als Holzepitaph.cite-ref-133[133]
PopulĂ€res GlĂŒcks- und Werbungszeichen
Seit etwa 1900 wurde die Swastika als GlĂŒckszeichen weltweit beliebt. Architekten nahmen sie in die GebĂ€udegestaltung auf, zum Beispiel fĂŒr den Laguna-Damm in Arizona,cite-ref-134[134] einen Bahnhof in Buenos Aires,cite-ref-135[135] ein Einkaufszentrum in Sydney,cite-ref-136[136] die University of Chicagocite-ref-137[137] und das Brooklyn Museum.cite-ref-138[138]
Manche Unternehmen benutzten sie als Markenzeichen, so die Bahngesellschaft St. Louis, Rocky Mountain and Pacific Railroad Company (USA), die New Mexico Coal Company, die Fred Harvey Company fĂŒr Juwelenschmuck,cite-ref-kapoun68-71-1[71] die dĂ€nische Brauerei Carlsberg ab 1882, die schwedische Firma ASEA, die norwegische Per Kure Norsk Motor- og Dynamofabrik und die islĂ€ndische Dampfschiffahrtsgesellschaft Eimskip. Andere benutzten sie zur Werbung oder fĂŒr ihr Produktdesign. Die Pacific Coast Biscuit Company warb 1916 fĂŒr ihre Matzen mit der Swastika. Die Coca-Cola-Company warb 1925 mit einem SchlĂŒsselanhĂ€nger in Hakenkreuzform.cite-ref-139[139] Sie bot 2003 in Hongkong die Plastikfigur Robowaru an, die zwei Swastiken auf der Brust trug. Nach Kritik jĂŒdischer VerbĂ€nde zog sie die Figur zurĂŒck.cite-ref-140[140] Die Buell Manufacturing Company stellte eine Decke namens âMokiâ mit vier Swastiken an den Ecken her, die laut Katalog âein groĂes Lager mit vielen Zelten, Wasser und viel GlĂŒckâ darstellen sollte. Sie folgte damit indianischen Vorbildern.cite-ref-kapoun68-71-2[71]
1920 lieĂen die Farbwerke Hoechst das Hakenkreuz als Markenzeichen fĂŒr das unter anderem gegen Syphilis gerichtete Medikament Salvarsan eintragen. Dies kritisierten Kommentatoren damals als KĂ€uferwerbung fĂŒr âHakenkreuzlerâ und Hinweis auf deren sexuelles Verhalten.cite-ref-141[141]
Der Schriftsteller Rudyard Kipling lieĂ die Swastika in frĂŒhen Ausgaben seiner Werke als Schmuckzeichen abdrucken.cite-ref-142[142] Seitdem die NSDAP das Symbol benutzte, verzichtete er jedoch darauf.cite-ref-143[143] Ab 1920 gab auch die Firma Carlsberg die Swastika als Firmenlogo aufcite-ref-144[144] und vermied ab 1933 Swastikamotive in ihrer Werbung.cite-ref-145[145]
Um 1900 wurden in Eureka Springs (Arkansas) einige silberne Teelöffel mit Swastiken am Stiel als Souvenirs hergestellt. Sie hatten keinen Bezug zum NS-Hakenkreuz. Erst nach 1945 zog Gerald L. K. Smith, der 1943 die nationalistische und antisemitische America First Party gegrĂŒndet hatte, in jenen Ort.cite-ref-146[146]
Von 1905 bis 1916 spielte in Nova Scotia (Kanada) ein Eishockeyteam unter dem Namen Windsor Swastikas. Die 1912 gegrĂŒndete WĂ€scherei Swastika Laundry in Dublin hatte die Swastika auf ihre Fahrzeuge lackiert. Um sie vom NS-Hakenkreuz zu unterscheiden, setzte sie 1939 das GrĂŒndungsdatum dazu. Der Schriftsteller Heinrich Böll beschrieb 1957 einen BeinahezusammenstoĂ mit einem so lackierten Lieferwagen.cite-ref-147[147] Von 1913 bis 1916 gab ein âGirl's Clubâ in den USA die Zeitschrift The Swastika heraus, die sich mit Alltagsthemen fĂŒr Frauen befasste. Pokerchips waren mit Swastiken bedruckt. Ein Kinderbuch ĂŒber einen kleinen Affen stellte die Swastika als seinen Talisman vor. Ein klassisches Musikerensemble nannte sich Swastika-Quartett. 1929 gab es in Raton (New Mexico) ein Swastika-Hotel.cite-ref-148[148] Die University of New Mexico gab bis 1939 ein Jahrbuch mit dem Titel The Swastika heraus.cite-ref-kapoun68-71-3[71]
Im Ersten Weltkrieg gab das British National War Savings Committee als Gegenwert fĂŒr private Kriegsanleihen eine Medaille und Briefmarken mit dem Swastika-Emblem heraus.cite-ref-149[149] Eine US-Firma gab 1917 MĂŒnzen heraus, von denen manche die Swastika ĂŒber dem WeiĂkopfadler (dem Nationalsymbol der USA) und die Aufschrift âGood luckâ trugen.cite-ref-150[150] Manche Piloten lieĂen ihre Flieger mit einer Swastika als GlĂŒckszeichen bemalen, so Fritz Beckhardt, ein deutscher Jude. 1924 zeigte Felix A. Theilhaber eine Fotografie davon, um an den beispielhaften Einsatz jĂŒdischer Patrioten fĂŒr Deutschland zu erinnern, bevor die Nationalsozialisten das Hakenkreuz fĂŒr sich reklamierten und antisemitisch deuteten.cite-ref-151[151] Auch US-amerikanische Piloten, die damals fĂŒr Frankreichs Fremdenlegion kĂ€mpften, flogen mit der Swastika. Eine Postkarte der 45. US-Infanterie-Division von 1920 trug die Swastika mit dem Spruch: May this emblem protect you well from every bullet, every shell (âMöge dieses Emblem dich gut vor jeder Kugel, jeder Granate schĂŒtzenâ).cite-ref-152[152] 1927 lieĂ Charles Lindbergh fĂŒr seinen bevorstehenden Atlantikflug die Propellernase seines Flugzeugs innen mit einer linksgerichteten Swastika bemalen und von allen Helfern signieren. 1938 lieĂ er sich vom NS-Regime einladen und nahm Hakenkreuzmedaillen von Hermann Göring als Geschenk an.cite-ref-153[153]
Seit 1911 trug das Dankabzeichen der Pfadfinder eine Swastika, seit 1922 auch ihre Verdienstmedaille. Der GrĂŒnder Robert Baden-Powell erklĂ€rte das 1921 mit der universalen Verbreitung des GlĂŒckszeichens, das er aus Indien kannte.cite-ref-154[154] Er zeigte aber auch Sympathie fĂŒr Adolf Hitler und bemĂŒhte sich ab 1933 um Zusammenarbeit mit der Hitlerjugend.cite-ref-155[155] 1935 gab der britische Pfadfinderverband das Swastika-Emblem jedoch auf, um sich von der NSDAP abzugrenzen.cite-ref-156[156]
In Nordamerika gibt es die Ortschaften Swastika (Ontario) und Swastika (New York), den Swastika Lake in Wyoming und den Swastika Mountain in Oregon. Katharine Burdekin schrieb 1937 den Zukunftsroman Swastika Night.
Ab 1940 nach Beginn des Zweiten Weltkriegs verzichteten die Native Americans aus Protest gegen das NS-Regime auf traditionelle Swastikadekorationen. Die 45. Infanteriedivision ersetzte die Swastika auf den Schulterklappen ihrer Uniformen durch ein anderes Symbol.cite-ref-157[157] Bis 1942 blieben jedoch Wegmarken und der frĂŒhere indianische Handelsplatz Peach Springs an der Route 66 mit Swastiken dekoriert.cite-ref-158[158]
Symbol staatlicher UnabhÀngigkeit
Seit etwa 1890 verwendeten manche MilitÀrverbÀnde, Orden und Staaten die Swastika als Symbol nationaler und antimonarchistischer UnabhÀngigkeitsbestrebungen, seit 1918 auch im Rahmen faschistischer Strömungen.cite-ref-glex3r-s234-159-0[159]
Die durch die Februarrevolution 1917 in Russland zur Macht gelangte provisorische Regierung unter Alexander Fjodorowitsch Kerenski druckte eine Swastika als UnabhĂ€ngigkeitszeichen auf ihre Banknoten.cite-ref-160[160] In der Republik Polen benutzten die Podhale-SchĂŒtzen einiger Gebirgstruppen von 1918 bis 1939 Abzeichen mit einer Swastika. Die unabhĂ€ngige Republik Lettland verlieh von 1920 bis 1928 als höchste nationale Auszeichnung den LÄÄplÄsis-Orden, eine rechtsgewinkelte Swastika. Diese kam schon seit der Römerzeit in der lettischen Ornamentik und Folklore vor und wird dort als Feuerkreuz gedeutet.cite-ref-161[161]
1918 schenkte der schwedische Entdecker Eric von Rosen Finnland ein mit einer senkrechten blauen Swastika verziertes Flugzeug. Dieses Symbol wurde dann bis 1945 Hoheitszeichen der LuftstreitkrĂ€fte Finnlands.cite-ref-162[162] Es blieb bis 2020 als Symbol auf Flugzeugen und Flaggen von Geschwadern erhalten.cite-ref-163[163] Eine Swastika wurde auch als Hoheitskennzeichen finnischer Panzerfahrzeuge verwendet. Die Ordenskette (Collane) der Finnischen WeiĂen Rose enthielt von 1919 bis 1963 neun Swastiken, die den UnabhĂ€ngigkeitskampf gegen Russland symbolisieren sollten.cite-ref-164[164] Der Finnische Orden des Freiheitskreuzes enthĂ€lt die Swastika weiterhin, ebenso die Flagge des finnischen StaatsprĂ€sidenten.
Bis 2020 entfernte Finnlands Luftwaffe Swastiken von ihren Flugzeugen und Uniformen, aber einige Brigaden behielten sie bei. Im August 2025 kĂŒndigte ein finnischer Luftwaffenkommandeur an, man werde im Rahmen einer Flaggenreform die restlichen Swastikasymbole der Luftwaffe komplett abschaffen. Hintergrund war Finnlands Natobeitritt und gemeinsame MilitĂ€rĂŒbungen mit Natopartnern, fĂŒr die das Symbol mit dem Nationalsozialismus verbunden bleibt.cite-ref-165[165]
Von 1925 bis 2010 fĂŒhrte die autonome Republik Guna Yala in Panama eine Nationalflagge mit einem nach links gewinkelten Hakenkreuz in der Mitte. Als Urheber wird der US-BĂŒrger Richard Marsh vermutet, der von europĂ€ischer völkischer und rassistischer Literatur beeinflusst war und Panama einem Marionettenregime der USA unterwerfen wollte.cite-ref-166[166] Andere deuten diese Swastika als Symbol fĂŒr den Oktopus, der in der Mythologie der Kuna die Welt erschuf.cite-ref-167[167]
Antisemitischer und rassistischer Gebrauch
Turnerbewegung
1844 erfanden AnhĂ€nger des âTurnvatersâ Friedrich Ludwig Jahn das Turnerkreuz, das den Wahlspruch âFrisch, fromm, fröhlich, freiâ mit vier kreuzförmig angeordneten Buchstaben F abkĂŒrzt. 1880 beschloss die Deutsche Turnerschaft (DT) ein Bundesbanner, dessen RĂŒckseite die vier F in Form einer Swastika anordnete, jedoch ohne sie völkisch zu deuten. 1888 schloss die DT österreichische Vereine aus, die entgegen den Statuten Juden ausgrenzten. Daraufhin bildeten diese 1889 einen âDeutschen Turnerbundâ, aus dem der heutige DTB hervorging. Er pflegte damals das âDeutschtumâ und nahm nur âArierâ auf. Viele deutsche Turnvereine traten ihm bei.cite-ref-168[168] Dort wurde das âTurnerhakenkreuzâ mit vier nach rechts gewinkelten und kreisförmig gerundeten F ĂŒblich. 1919 machte der DTB es zu seinem Emblem.cite-ref-169[169]
1920 ĂŒbernahm der Deutsche Turnverband, der auch tschechische und österreichische Vereine umfasste, dieses Emblem. 1923 begrĂŒĂte er Hitler und die NSDAP. Einige Turner meinten im internen Vereinsblatt, das Turnerkreuz sei kein Hakenkreuz. Die meisten betonten dagegen, es sei ein Hakenkreuz, zwar nicht im parteipolitischen Sinn, aber als völkisches âSymbol arischer Reinheit und des deutschen Wiederaufstiegsâ.cite-ref-170[170] Wegen dieser deutschnationalen Tradition vollzog die Turnerschaft 1924 die âreinliche Scheidungâ von anderen SportverbĂ€nden. Zum 15. Turnerfest im Juli 1933 lud der DTB Hitler als Hauptredner ein und beschrieb sich als Wegbereiter des âDritten Reichesâ. Der Titel des Vereinsblatts trug Turnerkreuz und Hakenkreuz nebeneinander; in einem Propagandafilm ĂŒber das Turnfest verschmolzen beide zur Einheit.cite-ref-171[171]
Esoterik, Okkultismus, Lebensreform
Seit etwa 1880 fanden Esoterik, Spiritualismus und Okkultismus in Europa und den USA Zulauf. Diese Strömungen ĂŒberlappten sich in Deutschland und Ăsterreich mit der Völkischen Bewegung. Sie werden als Reaktion auf Industrialisierung, VerstĂ€dterung und Kapitalismus gedeutet.
1875 grĂŒndete die Exilrussin Helena Petrovna Blavatsky in den USA die Theosophische Gesellschaft. Im ersten Band ihres Hauptwerks Die Geheimlehre (1888) entwarf sie eine spekulative Kosmologie, die an Hinduismus und Buddhismus anknĂŒpfte. Der zweite Band beschrieb die Menschheitsentwicklung als Abfolge von âWurzelrassenâ und behauptete eine gegenwĂ€rtige und zukĂŒnftige Dominanz der âArierâ. Jedem Stadium der zyklisch vorgestellten Evolution ordnete sie esoterische Symbole zu, darunter die Swastika. Diese integrierte sie 1891 neben Henkelkreuz und Davidstern in das Emblem ihrer Gesellschaft. Der Arzt Franz Hartmann verbreitete die Theosophie ab 1885 in Europa. Er veröffentlichte dazu von 1892 bis 1900 die Zeitschrift âLothusblĂŒtenâ, die als erste deutschsprachige Publikation die Swastika im Titelblatt trug.cite-ref-172[172] Blavatskys Theosophie gilt als starker Impuls im modernen Rassismus.cite-ref-173[173]
Auch der Buddhismus fand in Deutschland damals AnhĂ€nger. Karl SeidenstĂŒcker, der sich strikt von der Theosophie abgrenzte, popularisierte ihn mit einer Reihe von Zeitschriften. Die Monatszeitschrift Der Buddhist trug ab 1905 je eine rechts- und linksgewinkelte Swastika. Nachdem die NSDAP das rechtsgewinkelte Hakenkreuz zum Parteizeichen gemacht hatte, trug das Titelblatt nur noch eine linksgewinkelte Swastika.cite-ref-174[174]
Die Swastika, verstanden als Sonnensymbol und Kennzeichen der Arier, wurde um 1900 auch in der deutschen Lebensreform- und Jugendbewegung und der Freikörperkultur beliebt. So bildete sich unter vielen BĂŒnden von FKK-AnhĂ€ngern 1907 in Berlin auch eine theosophisch orientierte Loge âSwastikaâ.cite-ref-175[175]
Auch Alfred Schuler war von der Theosophie beeinflusst. Ab 1900 erhob er die Swastika zum Symbol seines Denkens, mit deren Hilfe das vitale, nach Höherem strebende Leben zu erneuern sei. Das christliche Kreuz sei eine kastrierte Swastika, die sich nicht mehr drehe und darum das alte Leben zum Stillstand gebracht habe.cite-ref-176[176] Zu seinem Nachlass gehörte das antisemitische Gedicht Epilogus: Jahwe-Moloch mit den Zeilen: âAns Herz des Lebens schlich sich Marder Juda. [âŠ] Morde den Vater, eh daĂ er dein Kind, deine Seele friĂt, und entfeĂle die UrknĂ€ul, das hundertspeichige Feuerrad.â Gemeint war die Swastika,cite-ref-177[177] die hier erstmals als Werkzeug eines Mordes am Judentum (der Vater steht fĂŒr dessen Gott JHWH) erschien.cite-ref-178[178]
Der Dichter Stefan George ĂŒbernahm die Swastika von Schuler als Symbol fĂŒr den Eros und den Koitus, zunĂ€chst als Dekoration fĂŒr Liebesgedichte. Ab 1916 machte der George-Kreis die Swastika zum Signet seiner BlĂ€tter fĂŒr die Kunst fĂŒr besondere, von ihm herausgegebene Werke. Bevor Georges letztes Werk (Das Neue Reich, 1927) erschien, betonte der Georg Bondi Verlag, das Signet habe nichts mit Politik und dem NSDAP-Hakenkreuz zu tun.cite-ref-179[179]
Völkische Bewegung
Die um 1880 entstandene Völkische Bewegung bevorzugte zunĂ€chst den Mjölnir als Abzeichen, so die Zeitschrift Der Hammer (1902â1940). Nachdem man germanische Artefakte mit Swastikagravuren gefunden hatte, propagierten vor allem die Alldeutschen das âHakenkreuzâ als ihr Symbol. Deren völkische Zeitschrift Heimdall veröffentlichte 1899 das Gedicht âSonnenwendeâ, in dem es hieĂ: âLaĂt die Sonnenrune funkeln, Hakenkreuz erstrahlâ im DunkelnâŠâcite-ref-180[180]
Damals wuchs in der Völkischen Bewegung der Einfluss der Ariosophie, einer rassistischen Variante der Theosophie. 1907 hisste Jörg Lanz von Liebenfels auf der von ihm erworbenen Burg Werfenstein in Ăsterreich eine Fahne mit einem roten Hakenkreuz, das den Wiederaufstieg âzu den uralten Höhen reinblĂŒtigen deutschen Heldentumsâ symbolisieren sollte.cite-ref-181[181] Damit wurde die Swastika erstmals öffentlich als antisemitisches Zeichen verwendet.cite-ref-182[182]
Guido von List sah das Hakenkreuz im Anschluss an Ludwig Wilser und andere als âgermanische Runeâ und Geheimzeichen âurarischen Weistumsâ, somit als Schriftzeichen fĂŒr die Sonne in einer Ursprache, die die Arier als angebliche Rasse von KulturgrĂŒndern besessen hĂ€tten.cite-ref-183[183] Seine Schrift Das Geheimnis der Runen (1908) war von Blavatskys âGeheimlehreâ beeinflusst. Darin ergĂ€nzte er ein jĂŒngeres skandinavisches Runenalphabet mit zwei von ihm erfundenen Runen, die der Swastika Ă€hnelten. So sollte diese die Runenschrift vervollstĂ€ndigen.cite-ref-184[184]
Wilhelm Schwaner gab seit 1897 die Zeitschrift Der Volkserzieher heraus, deren Titelseite 1907 erstmals ein Hakenkreuz trug. Im selben Jahr grĂŒndete er den Bund deutscher Volkserzieher, der ein Hakenkreuz als sein Abzeichen wĂ€hlte. 1912 grĂŒndete er mit dem Maler Ludwig Fahrenkrog die neuheidnische Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG), die ebenfalls das Hakenkreuz (hier in gold auf blau) betonte. 1913 erschien Schwaners Buch Unterm Hakenkreuz, Bundesbuch der Volkserzieher. Es war fĂŒr ihn (wie fĂŒr alle derartigen völkischen Gruppen) ein Heilszeichen der âarischen Rasseâ. Damit sollte der Pangermanismus das Christentum und seine Symbole ersetzen.cite-ref-185[185]
Diesen Vorbildern folgten schon vor dem Ersten Weltkrieg viele völkische Organisationen, darunter der antisemitische und ariosophische Germanenorden und die Deutschvölkische Partei (DVP). Diese versuchte seit 1914 erfolglos, alle völkischen und antisemitischen Strömungen zu sammeln. 1917 machte sie ein Hakenkreuz zum Titelemblem ihres Parteiorgans Deutschvölkische BlĂ€tter. Auch der Wandervogel machte ein Hakenkreuz 1917 zu seinem Abzeichen und erklĂ€rte es als âalte Germanenruneâ, âZeichen des Höherstrebens, der steten Entwicklung, des Werdensâ und Bekenntnis zum âbewussten Deutschwillenâ, der gemÀà dem Wahlspruch âaus dem Dunklen ins Helleâ strebe.cite-ref-186[186]
Hakenkreuze tauchten ab 1910 öfter in völkischen Romanen auf. So lieĂ Hermann Löns die Kapitelenden seines Bestsellers Der letzte Hansbur (1910) wegen der âvolkstĂŒmlichen Deutungenâ und ârein gefĂŒhlsmĂ€Ăig durch den unmittelbaren graphischen Eindruckâ mit verschiedenen Hakenkreuzen dekorieren.cite-ref-187[187] Hermann Burte stilisierte seinen Romanhelden Wiltfeber (1912) mit bewusster Analogie zum Ewigen Juden als heimatlosen blonden Wanderer. Dieser zeichnet im Roman bei seiner RĂŒckkehr in sein Heimatdorf ein Hakenkreuz in den Sand, worauf ein Alteingesessener bemerkt: âGlaubst du daran? Ha, wenn das wieder lebendig wĂŒrde!âcite-ref-188[188] Ernst Wiechert lieĂ seinen Roman Der Totenwolf (1924) nach dem gescheiterten Hitlerputsch mit einem schwarzweiĂroten Schutzumschlag und dem als Sonnenrad stilisierten Hakenkreuz veröffentlichen. Damit verwarf er einen Umschlagentwurf ohne Hakenkreuz seines Verlegers.cite-ref-189[189]
FĂŒr antisemitische russische Monarchisten symbolisierte die Swastika ihre Opposition zur russischen Oktoberrevolution 1917, die sie auf ein angebliches Weltjudentum zurĂŒckfĂŒhrten. Dieses radikal zu bekĂ€mpfen, betrachteten sie als VermĂ€chtnis der von Bolschewiki ermordeten letzten Zarin Alexandra Fjodorowna. Diese hatte ihr Schlafzimmer mit einer Swastika als GlĂŒcks- und Segenszeichen verzieren lassen. In ihrem Nachlass fand man die antisemitische Verschwörungstheorie der Protokolle der Weisen von Zion.cite-ref-190[190]
Im Oktober 1918 trat ein âDeutscher Volksratâ unter der FĂŒhrung des âvölkischenâ Literaten Heinrich Pudor an die Ăffentlichkeit, der mit dem Hakenkreuz als Symbol zu Judenpogromen aufrief. In der Novemberrevolution wurde das Hakenkreuz neben Schwarz-WeiĂ-Rot zum Hauptkennzeichen der Revolutionsgegner, darunter einiger Freikorps und der völkisch-rassistischen Thule-Gesellschaft. Es erschien als Graffito an WĂ€nden und auf StraĂen, als UhranhĂ€nger oder Bierzipfel, Anstecker oder Brosche, auf Zeitungen, Zeitschriften und BroschĂŒren, an Panzerwagen oder LKW. Viele Schulen mussten ein Trageverbot erlassen, um SchlĂ€gereien zu verhindern. Nach Rudolf von Sebottendorf wurde eine schwarz-weiĂ-rote Hakenkreuzfahne zum ersten Mal im Mai 1919 bei einer Trauerfeier der Thule-Gesellschaft fĂŒr sieben von Soldaten der MĂŒnchner RĂ€terepublik erschossene Mitglieder verwendet.cite-ref-191[191] Die Marine-Brigade Ehrhardt trug ein Hakenkreuz beim Kapp-Putsch im MĂ€rz 1920 auf ihren Stahlhelmen und bekundete damit ihren Willen, die aus der Novemberrevolution entstandene Weimarer Republik zu beseitigen. FĂŒr viele Mitglieder der Freikorps war das Hakenkreuz Teil ihrer âLandsknechtmodeâ, die ihr kriegerisches Auftreten demonstrierte.cite-ref-192[192]
Nationalsozialismus
Adolf Hitler soll das Hakenkreuz erstmals 1895/1896 als Ministrant im Stift Lambach gesehen haben, wo es im Wappen eines ehemaligen Abtes (Theoderich Hagn, Amtszeit von 1858 bis 1872) abgebildet war.cite-ref-193[193] Er kannte aus der von Liebenfels herausgegebenen Zeitschrift Ostara wahrscheinlich auch dessen antisemitische Deutung.cite-ref-glex3r-s234-159-1[159]
Friedrich Krohn, Mitglied des Germanenordens und der Thule-Gesellschaft, schlug der frisch gegrĂŒndeten DAP im Mai 1919 ein nach links gewinkeltes schwarzes Hakenkreuz in einem weiĂen Kreis auf rotem Grund als Parteisymbol vor (Ist das Hakenkreuz als Symbol der nationalsozialistischen Partei geeignet?). Es sei nach buddhistischer Deutung ein Talisman fĂŒr GlĂŒck und Gesundheit. Die Ausrichtung nach links folgte den Theosophen und dem Germanenorden. In dem nach rechts gewinkelten Hakenkreuz, das Guido von List und die Thule-Gesellschaft bevorzugten, sah Krohn dagegen ein Symbol des Untergangs und Todes.cite-ref-194[194]
Im Herbst 1919, als er wichtigster Redner der DAP geworden war, bedauerte Hitler, âdaĂ den Parteigenossen jedes Ă€uĂere Kennzeichen ihrer Zusammengehörigkeit fehlte [âŠ], das den Charakter eines Symbols der Bewegung besaĂ und als solches der Internationale entgegengesetzt werden konnteâ.cite-ref-195[195] FĂŒr eine möglichst effektive NS-Propaganda suchte er ein âSymbol von groĂer plakatmĂ€Ăiger Wirkungâ, das auch die Völkische Bewegung, die Deutschnationalen und Teile der Christen ansprechen und einbinden sollte. Das Hakenkreuz erschien dafĂŒr geeignet, weil es als völkisch-germanisches und antisemitisches Symbol etabliert war und nicht erst neu erfunden werden musste.cite-ref-196[196] Auf Hitlers Wunsch ersetzte Krohn seinen Entwurf durch ein nach rechts gewinkeltes geradarmiges Hakenkreuz. Dass der Richtungswechsel ein Lebenszeichen in ein Todeszeichen verkehren sollte, ist unbelegt.cite-ref-197[197] Nachdem sich die DAP zur NSDAP umbenannt hatte, erschien diese Form am 20. Mai 1920 beim GrĂŒndungstreffen der Starnberger NSDAP-Gruppe erstmals als Fahne. Die altösterreichischen Nationalsozialisten ĂŒbernahmen es im FrĂŒhsommer 1920. Bei ihrer Tagung in Salzburg am 7. August 1920 ĂŒbernahm auch die NSDAP diese Hakenkreuzform als ihre Parteifahne.
Der Ăsterreicher Ottokar Kernstock (1848â1928) komponierte 1923 das Hakenkreuzlied fĂŒr eine Fahnenweihe der FĂŒrstenfelder Ortsgruppe der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP). Nach Protesten aus der Christlichsozialen Partei und der römisch-katholischen Kirche erklĂ€rte er, âjeder gute Deutscheâ habe damals mit den ursprĂŒnglichen âidealen Zielenâ der Nationalsozialisten einverstanden sein mĂŒssen.cite-ref-198[198] Kernstocks Lied wurde wie auch Kleo Pleyers Lied Wir sind das Heer vom Hakenkreuz bei Massenveranstaltungen der NSDAP oft gesungen und gehörte zu den fĂŒnf wichtigsten Parteiliedern.cite-ref-199[199]
Hitlers Umschlagsentwurf fĂŒr die Erstausgabe seiner Programmschrift Mein Kampf (1925) trug ĂŒber dem ursprĂŒnglich geplanten Titel Die germanische Revolution eine wehende Hakenkreuzfahne als Mittelpunkt einer strahlenden Sonne. Diese Verbindung sollte den âSieg des Lichtsâ (der âarischen Weltanschauungâ) ĂŒber die MĂ€chte der Finsternis, vor allem das Judentum, symbolisieren.cite-ref-200[200] In der Schrift erklĂ€rte Hitler den Sinn der Parteifahne:
âIm Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im WeiĂ den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes fĂŒr den Sieg des arischen Menschen und [âŠ] der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.â
Aus dem Wiedererkennungswert und der raschen Reproduzierbarkeit des Hakenkreuzes erklĂ€ren manche Historiker auch die Erfolge der NSDAP im âsymbolpublizistischen BĂŒrgerkriegâ der frĂŒhen 1930er Jahre.cite-ref-201[201]
1930 Ă€uĂerte Hitler sich zum VerhĂ€ltnis von Kreuz und Hakenkreuz, um seinen Rassismus und Nationalismus mit der christlichen Tradition in Vereinbarung zu bringen:
âUnd wenn mir so mancher sagt: Wie können Sie Ihr heidnisches Zeichen diesem Kampf vorantragen, wo doch das Christenkreuz allein berufen ist, diesen Kampf zu fĂŒhren? Dann sage ich: Dieses Zeichen richtet sich etwa nicht gegen das Christenkreuz, im Gegenteil, es ist die politische Auswirkung dessen, was das Christentum tatsĂ€chlich will und wollen muss. Denn endlich kann man doch nicht den Kampf, den z. B. das Zentrum fĂŒhrt oder die Bayerische Volkspartei, als den Kampf des christlichen Kreuzes bezeichnen! [âŠ] Gewiss mĂŒsste unser christliches Kreuz das hehrste Symbol des Kampfes gegen den jĂŒdisch-marxistischen-bolschewistischen Geist sein. [âŠ] Aber dann dĂŒrften nicht Parteien, die mit dem Marxismus, mit dem Atheismus, ja mit dem in der verfeinerten Form sich darstellenden Bolschewismus paktieren, das Christuskreuz als ihr Parteizeichen reklamieren.â
â
Institut fĂŒr Zeitgeschichte â Hitler IV, 1, S. 33
Hitler sah den Germanenkult als altmodisch an und lehnte ihn wegen mangelnder Kulturleistungen als NS-GrĂŒndungsmythos ab. Die indische Swastika sah er als vergangenes Merkmal von âhochstehenden arischen Einwanderernâ, die sich mit der âdunkelschwarzen Urbevölkerungâ vermischt hĂ€tten und deshalb von den Briten versklavt worden seien. Kulturschaffend waren fĂŒr ihn nur weiĂe NordeuropĂ€er und nur so lange, wie sie âreinrassigâ blieben. Die indische Herkunft der Swastika spielte fĂŒr ihn und andere fĂŒhrende Nationalsozialisten keine Rolle mehr. âArierâ bedeutete fĂŒr sie nur noch âGermanenâ als ausschlieĂender Gegenbegriff zu âJudenâ.cite-ref-202[202]
Alfred Rosenberg, Robert Ley und Heinrich Himmler dagegen sahen das Hakenkreuz als archaisches Heilszeichen der germanisch-arischen FrĂŒhgeschichte. Um diese pseudowissenschaftlich als Wurzel des angestrebten âDritten Reichsâ auszugeben, schrieb Rosenberg in seinem Werk Der Mythus des 20. Jahrhunderts (1930):cite-ref-203[203]
âWird dieses Zeichen entrollt, so ist es Zeichen fĂŒr alt-neuen Mythus: die einen schauen, denken an Volksehre, an Lebensraum, an nationale Freiheit und soziale Gerechtigkeit, an Rassenreinheit und lebenerneuernde Fruchtbarkeit. Immer mehr wird es umwittert von Erinnerungen an jene Zeit, da es als Heilszeichen den nordischen Wanderern und Kriegern voranzog nach Italien, Griechenland [âŠ] Das Symbol der organischen germanischen Wahrheit ist heute bereits unumstritten das schwarze Hakenkreuz.â
In völkischer Tradition leitete er das Hakenkreuz vom Sonnenrad ab, das er auch als kosmisches Prinzip (Schöpfrad) auffasste, und verknĂŒpfte es mit dem ManichĂ€ismus (Gut-Böse-Dualismus) des persischen Zoroastrismus und der nachchristlichen Gnosis.cite-ref-204[204]
Die SPD und die Eiserne Front versuchten 1932, der Hakenkreuzpropaganda der NSDAP mit eigenen Symbolen entgegenzutreten: Ihre Zeitungen und Plakate zeigten drei Pfeile, die sich von oben auf das Hakenkreuz richteten oder es durchbohrten. Die Idee stammte von Sergej Tschachotin.cite-ref-205[205]
Zur Beruhigung seiner deutschnationalen bĂŒrgerlichen AnhĂ€nger hatte Hitler immer betont, dass die rote Hakenkreuzflagge nicht nur den antisemitischen ânationalen Sozialismusâ symbolisiere, sondern auch die alten Reichsfarben Schwarz-WeiĂ-Rot enthalte. GemÀà der Koalition von NSDAP und DNVP nach der Reichstagswahl 1933 (12. MĂ€rz) wurden Schwarz-WeiĂ-Rot und Hakenkreuzflagge nebeneinander zu Nationalflaggen erklĂ€rt: die Hakenkreuzflagge als allgemeine Staatsflagge und Schwarz-WeiĂ-Rot als Reichskriegsflagge.
Am 19. Mai 1933 erlieĂ das NS-Regime das âGesetz zum Schutze der nationalen Symboleâ. Es sollte sie vor âKitschâ bewahren, ihren rein kommerziellen Gebrauch begrenzen und die Deutschen stĂ€rker an die NS-Ideologie binden. Dazu mussten die Zeitungen Listen von erlaubten und nicht erlaubten Hakenkreuz-Darstellungen drucken. Erlaubt waren Hakenkreuze etwa auf Fahnenmasten, als Weihnachtsbaumspitzen, auf Neujahrspostkarten, auf Hitlerportraits und als wertvolle SchmuckgegenstĂ€nde. Verboten waren sie auf Pralinen- und Zigarettenschachteln, FuĂbĂ€llen, BratwĂŒrsten und als massenhaft hergestellter Billigschmuck. Damit versuchte das Regime, einen symbolverstĂ€rkenden von einem symbolentweihenden Gebrauch zu unterscheiden.cite-ref-206[206] Zugleich wurde das Hakenkreuz in vielfĂ€ltigen Formen massenhaft hergestellt. Es erschien unter anderem als Wimpel, Armband, AnhĂ€nger, Briefbeschwerer, SchallplattenhĂŒlle, auf Pokalen, Besteck, Tauschkarten, als Bausatz fĂŒr Kinder, besticktes Kissen, Kaminsims, Wand- und Tapetenmuster oder Abziehbild. So war es im Alltag ĂŒberall prĂ€sent.cite-ref-207[207]
Seit dem Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935 galt die Hakenkreuzflagge als einzige National- und Handelsflagge. Dabei sollte das Ineinander, nicht mehr das Nebeneinander der drei Farben die Verwandlung und Vollendung des alten Reiches zu einer neuen Ganzheit symbolisieren. Im Zweiten Weltkrieg Ă€uĂerte Hitler in seinen âTischgesprĂ€chenâ, er habe die alten Reichsfarben abgeschafft, da diese nur fĂŒr das âBismarck-Reichâ gestanden hĂ€tten; ihm sei es darum gegangen, ein neues Symbol fĂŒr das neue âGermanische Reich deutscher Nationâ zu schaffen.
Der Propagandafilm Triumph des Willens von Leni Riefenstahl inszeniert das Hakenkreuz mit riesenhaften Einstellungen und Ăberblendungen als Zentrum einer faschistischen Ăsthetik. Es steht fĂŒr die NSDAP, die nationalsozialistische Bewegung, das deutsche Volk, Hitler, die âMachtergreifungâ und die Gleichschaltung. Es vermittelt diese nicht nur, sondern enthĂ€lt ihre unmittelbare Gegenwart, etwa indem marschierende Massen in seine schwarzen Balken eingeblendet sind.cite-ref-208[208]
Neben den Nationalsozialisten verwendeten auch Teile der Deutschen Christen (DC) Hakenkreuze in ihren Symbolen. Nachdem sie 1933 die FĂŒhrung einiger evangelischer Landeskirchen erreicht hatten, brachten einige von ihnen dominierte Kirchengemeinden Hakenkreuze auf ihren KirchtĂŒrmen an, darunter mindestens neun allein in ThĂŒringen.cite-ref-209[209] Auch die 1933 entstandene âDeutsche Glaubensbewegungâ, die als Gegensatz und Alternative zum Christentum völkische Kultformen herausbilden wollte, hatte als Symbol ein abgerundetes Hakenkreuz, Ă€hnlich dem der Thule-Gesellschaft.cite-ref-210[210] Infolge des Kirchenkampfes distanzierte sich das NS-Regime jedoch 1937 von den ThĂŒringer DC, die eine Nationalkirche anstrebten, und verbot ihnen die gleichzeitige Verwendung von Kreuzen und Hakenkreuzen, also ihre Embleme.cite-ref-211[211] Auf Anordnung der Gestapo mussten sie Hakenkreuzflaggen von KirchtĂŒrmen abhĂ€ngen, da diese gegen das Gesetz zum Schutz nationaler Symbole verstieĂen.cite-ref-212[212]
Rechtsextremismus seit 1945
â
Hauptartikel
:
âGrafische Symboleâ im Artikel Rechtsextreme Symbole und Zeichen
Im Rechtsextremismus, besonders im Neonazismus, blieb das Hakenkreuz ein verbindendes IdentitÀts- und Erkennungsmerkmal. Um der Strafbarkeit zu entgehen, wird es auf Flaggen von Neonazis manchmal grafisch verÀndert oder durch Zeichen mit Àhnlichem Sinngehalt ersetzt: etwa durch Keltenkreuz, Odalrune, Schwarze Sonne, Varianten der Siegrune, Wolfsangel, Triskele oder Mjölnir.cite-ref-213[213]
Manche nationalistischen Hindus hatten das NSDAP-Hakenkreuz ab 1920 als Zeichen einer gemeinsamen arischen Rasse betrachtet und Hitler als möglichen VerbĂŒndeten gegen den britischen Kolonialismus begrĂŒĂt. Im Anschluss daran stellte die Wahlinderin Savitri Devi Hitler als Avatar des Gottes Vishnu dar und glaubte somit an seine Wiedergeburt. Sie fand nach 1945 viele AnhĂ€nger im europĂ€ischen Neonazismus.cite-ref-214[214] Rechte Esoterik knĂŒpfte an die Swastika allerlei Verschwörungstheorien, etwa eines nazistischen Geheimbunds in Tibet,cite-ref-215[215] wobei der Nationalsozialismus als okkult-esoterische Bewegung gedeutet wird, um völkisch-rassistische Konzepte fortzufĂŒhren.cite-ref-216[216] Mit Hinweis auf solche Allianzen sieht Victor Trimondi die Swastika als Zeichen rassistischer Elemente im Hinduismus und Buddhismus selbst.cite-ref-217[217] Der belgische Indologe Koenraad Elst weist diese These als Fehldeutung zurĂŒck.cite-ref-218[218]
Die Neonazis der seit 2010 bestehenden mongolischen Gruppe Tsagaan Chas (âWeiĂe Swastikaâ) tragen das unverĂ€nderte NS-Hakenkreuz.cite-ref-219[219] Manche russische Rechtsextreme verwenden eine doppelte (âslawischeâ) Swastika mit acht Haken, genannt Kolovrat. Um 1995 gab sich eine russische Neonaziband diesen Namen.cite-ref-220[220] Der Leiter der Partei Russische Nationale Einheit in Moskau, Konstantin Nikitenko, grĂŒndete 1997 eine âSpezialorganisationâ namens Kolovrat fĂŒr die militĂ€rische Ausbildung der Parteijugend.cite-ref-221[221]
Weitere Verwendungen
Ăffentlicher Raum
Bei der Entnazifizierung in der frĂŒhen Nachkriegszeit wurden Hakenkreuze der NS-Zeit weitgehend aus dem öffentlichen Raum entfernt. Oft wurden jedoch Orden und Symbole der NS-Zeit ohne Hakenkreuz weiterverwendet, wie es das Gesetz ĂŒber Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 erlaubte. Ab den 1960er Jahren galt dies vielen als deutliches Indiz einer mangelnden VergangenheitsbewĂ€ltigung.cite-ref-222[222]
Manche Hakenkreuze blieben lĂ€nger erhalten. So wurde der 1938 angepflanzte Hakenkreuzwald bei Zernikow nach 1945 vergessen. Die Form war im Herbst und FrĂŒhjahr an der anderen NadelfĂ€rbung aus der Luft erkennbar und wurde erst 1992 auf Luftaufnahmen wiederentdeckt. Nach internationalen Presseberichten wurden 1995 und 2000 einige Baumreihen gefĂ€llt und so das Symbol unkenntlich gemacht.cite-ref-223[223] Baumpflanzungen in Hakenkreuzform gab es auch bei Asterode, in Jesberg, in Wiesbaden, ThĂŒringen, Nordrhein-Westfalen, bei Berlin und in Kirgisistan.cite-ref-224[224]
Der Turm des 1935â1937 erbauten Gemeindehauses der Christuskirche in Dresden-Strehlen wurde mit einem âliegendenâ Hakenkreuz am Ăquator einer symbolischen Weltkugel als Turmknauf ausgestattet. Nach den Luftangriffen auf Dresden wurde das Gemeindehaus zu DDR-Zeiten ein wichtiges kirchliches Kulturzentrum, blieb aber trotzdem bis heute durch Turmspitze mit Kugel und Hakenkreuz bekrönt.cite-ref-225[225]
Die 1992/93 vom dĂ€nischen KĂŒnstler Per Kirkeby geschaffene Backsteinplastik Huset in Frechen-Bachem zeigt aus der Vogelperspektive einen Grundriss mit innerer Struktur in Form einer Swastika. Obgleich das Bauwerk im Vergleich zum NS-Hakenkreuz nach links gewinkelt âspiegelverkehrtâ ist und lediglich ein stilisiertes Sonnenrad darstellt, wurde es bereits irrtĂŒmlich als Mahnmal fĂŒr Opfer des Nationalsozialismus gedeutet.cite-ref-226[226]
In den USA stieĂ der jĂŒdische BĂŒrgerrechtler Avrahaum Segol 2007 auf ein MilitĂ€rgebĂ€ude der US-Navy bei San Diego und 2008 auf das Altenheim Wesley Acres Retirement Home in Decatur (Alabama), deren Grundrisse aus der Vogelperspektive wie Hakenkreuze aussahen. Er vermutete darin eine versteckte Ehrung deutscher Wissenschaftler, die in der NS-Zeit deutsche Waffen entwickelt und danach am NASA-Raketenprogramm mitgewirkt hatten. Die TrĂ€ger betonten, die Form sei keine vorsĂ€tzliche NS-Propaganda gewesen, und versprachen einen Umbau der GebĂ€ude.cite-ref-227[227]
In Deutschland gab es 2018 in evangelischen Kirchen noch mindestens 22 sogenannte Hitler-Glocken, also Kirchenglocken mit Hakenkreuzen und/oder nationalsozialistischen Widmungen. Einige wurden abgehĂ€ngt, andere auf Beschluss der GemeinderĂ€te vorlĂ€ufig hĂ€ngen gelassen.cite-ref-228[228] Auch im Schloss Wolfpassing (Ăsterreich) hing eine solche Glocke, ĂŒber die 2013 öffentlich diskutiert wurde. Besonders bekannt wurde die âHitler-Glockeâ in der Jakobskirche in Herxheim am Berg. 2017 beschloss die Gemeinde Rilchingen-Hanweiler, die Glocke abzuhĂ€ngen, sie spĂ€ter eventuell einem Museum zu ĂŒbergeben und die Hakenkreuze darauf vorlĂ€ufig abzudecken.cite-ref-229[229] Auch in der Kreuzkirche von Schweringen befand sich noch eine mit Hakenkreuz versehene Glocke.
Im November 2017 stieĂ ein Baggerfahrer bei Bauarbeiten auf einem Sportplatz in Hamburg-Billstedt in 40 Zentimeter Tiefe unter der Grasnarbe auf ein 16 Quadratmeter groĂes Hakenkreuz aus Beton. Es sollte zeitnah mit PresslufthĂ€mmern zerstört werden.cite-ref-230[230]
Der EimsbĂŒtteler TV behielt zwei âTurnerhakenkreuzeâ an einer alten Sporthalle, weil sie laut einer Expertenkommission vor 1910 angebracht worden waren. Seit 2010 erinnert eine Gedenktafel an die rassistisch-antisemitische Bedeutung dieser Symbole.cite-ref-231[231] Auch ein Swastika-Bodenmosaik im Botanischen Institut der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen stammt aus vornationalsozialistischer Zeit.cite-ref-232[232]
Seit 1980 entfernt, ĂŒbermalt oder verĂ€ndert die Rentnerin Irmela Mensah-Schramm Hakenkreuz-Graffiti in ganz Deutschland. Sie nahm dafĂŒr wiederholt strafrechtliche Verurteilungen in Kauf und dokumentierte ihre Arbeit im September 2017 in einer Ausstellung.cite-ref-233[233]
Manche privaten Grabmale der NS-Zeit tragen bis heute Hakenkreuze, die nur mit EinverstĂ€ndnis der EigentĂŒmer entfernt werden können.cite-ref-234[234] Auch manche GrĂ€ber deutscher Soldaten, die als Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg in den USA verstarben, tragen Hakenkreuze. Im Mai 2020 wollten jĂŒdische Aktivisten mehrere dieser Hakenkreuze von Grabsteinen entfernen lassen. Die zustĂ€ndige Veteranenverwaltung lehnte ab.cite-ref-235[235]
Karikatur und Kunst
Antifaschisten nutzten Hakenkreuze seit den 1920er Jahren in politischen Karikaturen als Metapher zur Kritik am Nationalsozialismus. Willi MĂŒnzenberg zeichnete 1923 einen alkoholisierten Wikinger mit Hakenkreuzflagge und der Textzeile âDie moralische Erneuerung des deutschen Volkesâ.cite-ref-236[236] John Heartfields Fotomontage âDer alte Wahlspruch im âneuen Reichâ: Blut und Eisenâ zeigte vier blutige Ăxte als RutenbĂŒndel in Hakenkreuzform. So entlarvte er das NS-Symbol als konkretes Mittel tödlicher Gewalt in der Tradition der Kriege Otto von Bismarcks und des italienischen Faschismus. Boris Artzybasheff nutzte das Hakenkreuz fĂŒr viele seiner surrealistischen Karikaturen, etwa als grotesk verzerrtes ĂŒberdimensionales Gesicht Hitlers, umgeben von vielen ranghohen NS-FĂŒhrern und szenischen Details in Hakenkreuzform. Er deckte mit dieser Verfremdung die Illusion des faschistischen Mythos der Volksgemeinschaft auf.cite-ref-237[237]
Bilder arabischer Medien zum Israel-PalĂ€stina-Konflikt kombinieren das Hakenkreuz seit 1967 oft mit dem Davidstern und setzen damit Israel plakativ mit dem NS-Staat, Israels PalĂ€stinenserpolitik mit dem Holocaust gleich.cite-ref-238[238] Diese symbolische Gleichsetzung von HolocaustĂŒberlebenden mit HolocausttĂ€tern gilt als antisemitisches Stereotyp.cite-ref-239[239]
1970 zeichnete Rainer Hachfeld Arme und Beine mit dem Konterfei des CSU-Politikers Franz Josef StrauĂ in einer Hakenkreuzform in weiĂem Kreis auf rotem Hintergrund. Dazu zitierte er eine Aussage von StrauĂ auf dem CSU-Bundesparteitag jenes Jahres, er wolle eine âSammlungsbewegung zur Rettung des Vaterlandesâ bilden. StrauĂ klagte gegen die Karikatur und erreichte ihr Verbot. Dagegen hatte der Gutachter Ernst Maria Lang erklĂ€rt, Hachfeld habe nicht StrauĂ als nazistische Gefahr, sondern die unkontrollierbare Gefahr zeigen wollen, in die StrauĂ selbst durch seine emotionalisierende Rhetorik geraten könne.cite-ref-240[240]
Der âEisenmannâ ist eine aus Metall geschnitzte Figur mit einer Swastika auf der Brust, die Ernst SchĂ€fer 1938 aus Tibet nach Deutschland mitgebracht hatte. Sie wurde 2012 wiederentdeckt und an der UniversitĂ€t Stuttgart metallurgisch analysiert. Das Material wurde als BruchstĂŒck des etwa 15.000 Jahre alten, 1913 gefundenen Chinga-Meteoriten identifiziert. Die Figur wurde zunĂ€chst auf etwa 1100 datiert und als buddhistische Gottheit gedeutet, wird heute aber als zwischen 1915 und 1938 hergestellt eingestuft.cite-ref-241[241]
Der deutsche KĂŒnstler KP Brehmer schuf 1967 das Werk âDeutsche Werteâ, das Briefmarken der NS-Zeit mit Hakenkreuz, Hitler-Kopf und dem Satz âDeutschland erwacheâ vergröĂert und persifliert. Es war Teil einer Ausstellung, die der Galerist RenĂ© Block unter dem Titel âHommage an Lidiceâ 1968 in West-Berlin und Prag organisierte, um an das Massaker von Lidice 1942 zu erinnern und eine geplante GedenkstĂ€tte dafĂŒr zu unterstĂŒtzen. Die Objektkunst âThe Benchâ von Edward Kienholz (1974) reihte acht von 1938 bis 1970 hergestellte deutsche RadioempfĂ€nger auf, von denen einige Swastiken trugen, die bei spĂ€teren Modellen im GehĂ€use versteckt oder Ă€uĂerlich entfernt worden waren. Er beschrieb das Werk als symbolische Biografie eines deutschen Mannes, der den Nationalsozialismus erlebt und akzeptiert, dann versteckt und verdrĂ€ngt habe.cite-ref-242[242]
Der israelische KĂŒnstler Moshe Gershuni integriert seit 1981 NS-Hakenkreuze in seine Malerei. Sein Werk âVictoryâ von 1985 wird durch zwei Hakenkreuze kompositorisch gegliedert. Auf ihnen befinden sich Lobzitate aus der jĂŒdischen Liturgie, deren SchlĂŒsselworte âHerrlichkeit, Ewigkeit, Macht, Ruhmâ auch fĂŒr die NS-Rhetorik zentral waren. Das Bild enthĂ€lt auch den Davidstern und Fragezeichen. Es wird als provokativer Akt gedeutet, der die Front zwischen Opfern und TĂ€tern, Gott und Teufel, Gut und Böse in Frage stellt.cite-ref-243[243]
Art Spiegelman zeichnete die Hakenkreuzflagge in seinem preisgekrönten Comic Maus â Die Geschichte eines Ăberlebenden (1980â1985; als Buch 1989â1991) im Kontrast zu den stilisierten Figuren als reales, ĂŒberdimensionales Objekt, das Dominanz und totalitĂ€ren Anspruch der Nationalsozialisten auf den öffentlichen Raum veranschaulicht und bei den als MĂ€use stilisierten Juden schon beim ersten Anblick ein unbeschreibliches Grauen auslöst, eine Vorahnung des ihnen bevorstehenden Holocaust. In einer weiteren Bildfolge bildet das Hakenkreuz den allgegenwĂ€rtigen Hintergrund, vor dem sich gewaltvolle Szenen der sich steigernden Judenverfolgung abspielen. Auf diese Weise stellt der Autor dar, wie der Rassismus den Alltag seiner Opfer betraf. Das Hakenkreuz dokumentiert die treibende Kraft in der Geschichte dieses Rassismus und lĂ€dt Leser ein, dessen Bedeutung fĂŒr die Opfer nachzuempfinden. Unter dieser Flagge werden die Opfer als Juden und die TĂ€ter als deutsche Nazis definiert und als getrennte Gruppen gegenĂŒbergestellt, so dass ihrer aller IndividualitĂ€t unterdrĂŒckt wird. Das Hakenkreuz symbolisiert also das Mittel des charismatischen FĂŒhrers in einer rassistischen Gesellschaft, Verfolgern wie Verfolgten die erwĂŒnschte IdentitĂ€t aufzuzwingen.cite-ref-244[244]
Subkultur
Manche FuĂball-Hooligans, Hells Angels,cite-ref-245[245] Skinheads und Punks, die sich nicht als Neonazis sehen, verwenden neben anderen Symbolen auch das Hakenkreuz, um andere zu provozieren und zu schockieren.cite-ref-246[246] In GroĂbritannien trugen Punks das Hakenkreuz anfangs als Armbinde, um es aus seinem Kontext zu reiĂen (Bricolage), radikalen Nonkonformismus zu zeigen, mit allen gesellschaftlichen Erwartungen zu brechen, so Ablehnung zu provozieren und sich als Objekt von Hass zu stilisieren. Dabei klammerten sie die historischen GrĂŒnde fĂŒr diese Ablehnung aus. Weil Rechtsextremisten der British National Front die Punks daraufhin als Gesinnungsfreunde ansahen, verlor das Hakenkreuz fĂŒr sie seine Schockwirkung und wurde wieder aufgegeben.cite-ref-247[247]
Der kanadische HappeningkĂŒnstler ManWoman (Pseudonym) warb zeitlebens fĂŒr eine âRehabilitationâ der Swastika, veröffentlichte dazu eine Sammlung religiöser und sĂ€kularer Swastika-Beispiele von vor 1933 und grĂŒndete den Verein âFriends of the Swastikaâ.cite-ref-248[248] 1995 veröffentlichte er eine ErklĂ€rung zur âUnschuldâ der Swastika und ein Emblem, das sie in Friedenstauben einbettete.cite-ref-249[249] An seinem ersten Todestag, dem 13. November 2013, boten weltweit 120 TĂ€towierer unter dem Motto âLerne die Swastika zu liebenâ kostenlose Swastikatattoos an. Aktivisten gegen Rassismus und Vertreter des Judentums protestierten: Die Swastika reprĂ€sentiere heute den Faschismus.cite-ref-250[250]
In den USA bieten verschiedene Tattoo-KĂŒnstler und LĂ€den regelmĂ€Ăig das kostenlose Entfernen von Swastika-Tattoos und anderen eintĂ€towierten Hasssymbolen an. Die Teilnehmerzahlen nehmen laut ihren Berichten zu.cite-ref-251[251]
Unicode
| Zeichen | Codepunkt |
|---|---|
| ć | U+5350 (CJK) |
| ć | U+534D (CJK) |
| àż | U+0FD5 (re) |
| àż | U+0FD6 (li) |
| àż | U+0FD7 (re + Punkte) |
| àż | U+0FD8 (li + Punkte) |
Nach Protesten gegen die Aufnahme der Unicode-Swastiken in die Symbolschriftart Bookshelf Symbol 7 im Programm Microsoft Office entfernte Microsoft 2003 diese daraus, ebenso einen Davidstern. Dies löste wiederum Proteste aus, damit wĂŒrden Hindus und Buddhisten benachteiligt und freie MeinungsĂ€uĂerung durch autoritĂ€re Eingriffe eingeschrĂ€nkt.cite-ref-252[252]
WeiterfĂŒhrende Informationen
Literatur
ArchÀologie und Ethnologie
âą Dennis J. Aigner: The Swastika Symbol in Navajo Textiles. DAI Press, 2009, ISBN 0-9701898-3-4.
âą Egbert Richter-Ushanas: The Sacred Marriage and the Swastika on Indus Seals and Tablets. A study on the foundations of human culture. Richter, Bremen 2005, ISBN 3-924942-42-0.
âą Thomas Wilson: The Swastika. The Earliest Known Symbol and Its Migrations. With Observations on the Migration of Certain Industries in Prehistoric Times. In: Report of the United States National Museum 1894, ISSN 0273-0243, S. 757â1011. Nachdruck: Kessinger, 1999, ISBN 0-7661-0818-X (Volltext online).
Ideologisch-politische Verwendung
âą Steven Heller: The Swastika and Symbols of Hate: Extremist Iconography Today. Skyhorse Publishing, 2019, ISBN 1-62153-720-X.
âą Davina Stisser: Das Hakenkreuz als nationalsozialistisches Symbol â kulturhistorische Entwicklung und die heutige strafrechtliche Behandlung. In: Heribert Ostendorf (Hrsg.): Rechtsextremismus. Eine Herausforderung fĂŒr Strafrecht und Strafjustiz. Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4208-3, S. 106â127.
âą Erwin W. Lutzer: Hitlerâs Cross. Bertrams, 2012, ISBN 978-0-8024-0850-1.
âą Bernard Mees: The Science of the Swastika. Central European University Press, 2008, ISBN 978-963-9776-18-0.
âą Elisabeth Weeber: Das Hakenkreuz. Geschichte und Bedeutungswandel eines Symbols. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56363-2.
âą Lorenz JĂ€ger: Das Hakenkreuz. Zeichen im WeltbĂŒrgerkrieg. Eine Kulturgeschichte. Karolinger-Verlag, Wien 2006, ISBN 3-85418-119-1 (Rezension).
⹠Jacques Gossart: La longue marche du svastika. Histoire connue et inconnue de la croix gammée. Dervy, Paris 2002, ISBN 2-84454-202-6.
âą Steven Heller: The Swastika. Symbol Beyond Redemption? Allworth Press, New York 2000, ISBN 1-58115-041-5.
âą Malcolm Quinn: The Swastika: Constructing the Symbol (Material Cultures). Routledge Chapman & Hall, 1995, ISBN 0-415-10095-X.
Zeitgeschichtlicher Kontext
âą Focke-Museum Bremen (Hrsg.): Graben fĂŒr Germanien: ArchĂ€ologie unterm Hakenkreuz. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8062-2673-7.
âą Achim Leube, Morten Hegewisch: PrĂ€historie und Nationalsozialismus: Die mittel- und osteuropĂ€ische Ur- und FrĂŒhgeschichtsforschung in den Jahren 1933â1945. Synchron, Heidelberg 2002, ISBN 3-935025-08-4.
âą Rolf Wilhelm Brednich: Germanische Sinnbilder und ihre vermeintliche KontinuitĂ€t. Eine Bilanz. In: Rolf Wilhelm Brednich, Heinz Schmitt: Symbole: Zur Bedeutung der Zeichen in der Kultur. 30. Deutscher Volkskundekongress in Karlsruhe vom 25. bis 29. September 1995. Waxmann, MĂŒnster 1997, ISBN 3-89325-550-8, S. 80â91.
Weblinks
Commons
: Swastika
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Swastika
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Hakenkreuz
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą US Holocaust Museum: The History of the Swastika. Washington D.C., 7. August 2017
âą Peter Diem: Die Entwicklung des Hakenkreuzes zum todbringenden Symbol des Nationalsozialismus.
âą Arnulf Scriba: Das Hakenkreuz. Deutsches Historisches Museum, 15. Juli 2015
âą Anna Cox: The Story of the Swastika. BBC One, 3. November 2013 (Fernsehfilm)
âą Goblet dâAlviella: The Migration of Symbols, II: On the Gammadion or Swastika. 1894, sacred-texts.com
Einzelnachweise
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cite-note-22. â Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 TeilbĂ€nden, Leipzig 1854â1961, Quellenverzeichnis: Leipzig 1971. Stichwort âHakenkreuzâ, Adelung (Archivlink, PDF-Download)
cite-note-33. â Jörg Echternkamp: Soldaten im Nachkrieg: Historische Deutungskonflikte und westdeutsche Demokratisierung 1945â1955. De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-035093-7, S. 175
cite-note-44. â Gabriele Cirener et al. (Hrsg.): Strafgesetzbuch Leipziger Kommentar Band 7: §§ 80 bis 121. 13., neu bearbeitete Auflage, De Gruyter, Berlin 2020, ISBN 3-11-048879-5, S. 74â110
cite-note-55. â Ulrich Klug: Skeptische Rechtsphilosophie und humanes Strafrecht Band 2: Materielle und Formelle Strafrechtsprobleme. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-642-68281-0, S. 289
cite-note-66. â Dirk Reuter: Verbotene Symbole: eine strafrechtsdogmatische Untersuchung zum Verbot von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in [Paragraphen] 86a StGB. Nomos, Baden-Baden 2005, ISBN 3-8329-1483-8, S. 259
cite-note-77. â Stephan Braun (Hrsg.): Rechte Netzwerke â eine Gefahr. Springer VS, Wiesbaden 2004, S. 252
cite-note-88. â Durchgestrichenes Hakenkreuz kein verbotenes Kennzeichen. BGH, 15. MĂ€rz 2007
cite-note-99. â Enno Stiehm: Rechtsextreme Jugendliche: Erkennungsmerkmale, Begriffe, ErklĂ€rungsansĂ€tze und schulische Handlungsmöglichkeiten. Diplomica, Hamburg 2012, ISBN 3-8428-7877-X, S. 39f.
cite-note-1010. â Deutscher Bundestag â Wissenschaftlicher Dienst: Entfernen verfassungsfeindlicher Symbole von Eigentum Dritter. WD 7 â 080/07 (PDF; 132 kB)
cite-note-1111. â Uwe Backes, Patrick Moreau: The Extreme Right in Europe. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 3-525-36922-0, S. 381
cite-note-1212. â Hindus want to 'reclaim' swastika. BBC, 19. Januar 2005; Bizarrer Streit: Hindus wehren sich gegen Hakenkreuz-Verbot. Spiegel, 25. Januar 2005
cite-note-1313. â Berlin verzichtet auf ein EU-weites Hakenkreuzverbot. Neue ZĂŒrcher Zeitung, 31. Januar 2007
cite-note-1414. â Rassismus: EU setzt kein Hakenkreuzverbot durch. Spiegel, 19. April 2007
cite-note-1515. â Ungarn: Verfassungsgericht hebt Hakenkreuz-Verbot auf. Die Presse, 19. Februar 2013
cite-note-1616. â Lettland verbietet Hakenkreuz und roten Stern. Welt, 21. Juni 2013
cite-note-1717. â Thomas Jones: Human Rights: Group Defamation, Freedom of Expression and the Law of Nations. Martinus Nijhoff Publishers, La Hague 1997, ISBN 90-411-0265-5, S. 74
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